Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Category : Auf der Arbeit

Klingelingeling

Laut – zu laut, scheppert die Titelmelodie von Star Wars aus dem Flur in unser Büro. Da war mal wieder jemand besonders kreativ und hat sich einen extra-spaßigen Klingelton auf sein Handy geladen. Wer lädt sich eigentlich freiwillig Musikstücke als Klingelton auf sein Handy? Noch dazu Star Wars? Wenn wir allerdings schon über Klingeltöne reden – die Aktion des Naturschutzbund Deutschland, Tierstimmen (gegen eine Spende) als Klingeltöne anzubieten finde ich schon wieder witzig. Lautes Elefantentrompeten kündigt während einer Besprechung den Anruf des Chefs an – oder doch eher der Gesang der Goldfische?

Auf dem Flur scheppert immernoch das Thema von Star Wars. Der Kollege läßt sich mit dem Abheben Zeit. Vielleicht glaubt er, daß er um diese Uhrzeit eh noch alleine im Stockwerk ist. Ganz unrecht hat er damit nicht, denn noch sind die Flure leer. Unsere Abteilung ist mit sechs Mann vom Stadtrand in die Büroanlagen im Stadtkern von Erlangen umgezogen. Schöner als die alten Baracken aus den siebzigern sind die Büros hier ja allemal. Aber dafür ist die Parkplatznot hier in Erlangen Mitte ein echtes Problem.

Deshalb bin ich schon seit zwei Wochen spätestens um viertel nach sieben am Arbeitsplatz – und ergattere so wenigstens noch einen der wenigen Stellplätze in der Tiefgarage. Vor allem aber habe ich hier im Großraumbüro dann meine Ruhe – es sei denn, mein unbekannter Star Wars liebender Kollege läßt sein Handy dudeln.

Führungsfähigkeiten erfahren und entwickeln

Energizer-ÜbungNach vier Tagen Seminar raucht mir der Kopf und ich muß all das, was mir die Trainer in den vergangenen Tagen beigebracht haben, erst einmal sacken lassen – und mir dann ein paar Ideen einfallen lassen, wie ich das künftig in der Praxis umsetze.

Klar – einige Themen kannte ich schon aus anderen Fortbildungen, wie Gruppenentwicklung und Feedback geben und es war gut, sie in diesem Rahmen noch einmal aufzufrischen. Aber obwohl ich gedacht hatte, ich wüßte schon einiges über das fachliche Führen (einfach aus meiner Berufspraxis) war dann doch viel viel Neues für mich dabei.

“Führungsfähigkeiten erfahren und entwickeln” ist der Schnupperkurs für Kollegen mit Führungspotential – entsprechend durchmischt ist unsere Gruppe von 16 Teilnehmern im Alter von 27 bis 39 Jahren. Erstaunlich fand ich, daß nur drei Frauen mit dabei waren – unser Coach meinte, daran würde man eben doch merken, daß unsere Firma ein Ingineur-Betrieb ist. Da sei die Frauen-Quote eben nicht besonders groß.

Vier wirklich gute Tage. Den Ordner mit dem Lehrstoff werde ich in den nächsten Tagen öfter mal zur Hand nehmen.

Gruppenarbeit

Der Stress der Anderen

Der Streß der Anderen kann ganz schnell der eigene werden. Mein Arbeitgeber kommt momentan nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Das reizt manchen Cartoonisten zu satirischen Höhenflügen (Danke, Mama, der Brief mit dem Zeitungsausschnitt ist angekommen) – ist aber weit weniger witzig, wenn man selbst mit den Auswirkungen kämpfen muß.

Unsere Kommunikatöre sind ob der schlechten Presse recht dünnhäutig – zumal der Geschäftsbericht ansteht, der den rechtlichen Bestimmungen gemäß zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar sein muß. Und das Medium der Wahl ist das Internet.

An dieser Stelle komme ich in’s Spiel, denn ich verantworte die Web-Content-Management-Systeme des Konzerns aus IT-Sicht. Und da momentan die Luft brennt alle etwas aufmerksamer und vorsichtiger sind, erschwert sich mein Tagesgeschäft im Augenblick ungemein. Da fällt es auch meinem Chef-Chef schwer gelassen zu bleiben und seine Sekretärin schaut mich mit großen Augen an “Wollen Sie da jetzt wirklich rein?”

Mein Job schwankt zwischen Deeskalation, Händchenhalten und den Technikern erklären, warum sie wenige Tage vor Weihnachten eben doch keine freien Wochenenden haben. Das komplizierte Kartenhaus der System-Wartungs-Planung zusammenzuhalten wird auch nicht leichter, wenn jeder meint kurz-vor-knapp nach Belieben den Zeitplan durcheinander bringen zu können. Bin ich froh, daß ich auf IT-Seite so geduldige Mitstreiter habe.

Die Arbeitstage sind also lang, das Diensthandy auch am Wochenende angeschaltet.

Den Ernstfall proben

Ich sitze also gemütlich an dem mir zugewiesenen Arbeitsplatz in Wien und grübel über meiner Projekt-Definition, da heult eine Sirene im Gang. Erst ein irritierter Blick – dann meine ich (auf meine Erfahrung als Ersthelfer, Brandschutzbeauftragter, Rettungssanitäter, Feuerwehrmann, Strahlenschutzsachverständiger und Transplant-Organ-Fahrer zurückgreifend), ob wir nicht vielleicht jetzt doch das Gebäude verlassen sollten.

Mein Vorschlag wird mit der dem Wiener typischen höflich zurückhaltenden Zustimmung bedacht, da erscheint auch schon der (wie ich annehme) Brandschutzbeauftragte des Standorts und bittet doch geordnet den Parkplatz hinter dem Gebäude aufzusuchen und sich dort zu sammeln.

Spaziergang

Gemütlich schlendernd Wohlgeordnet und mit Umsicht verlassen wir also das Haus, um dann wenige Minuten später von einem Herrn mit Megaphon darauf hingewiesen zu werden, daß die gesetzlich vorgeschriebene Übung jetzt beendet sei.

Toll, was die sich alles einfallen lassen, um meinen Aufenthalt spannender zu gestalten :-D

Der Deutsche mit dem Doppelnamen

Ich hatte vor Freude Tränen, Tränen! in den Augen, als ich heute meine A-Klasse betankt habe. Diesel unter einem Euro, da müssen ja nostalgische Gefühle wach werden. Damals… als ich noch einfach so in’s Auto gesprungen bin, ohne vorher eine Kreditwürdigkeits-Bestätigung von meiner Bank einholen zu müssen, damit der gestrenge Tankwart mich ein paar Liter zapfen läßt. Damals, als ich einfach mal so ein paar Kilometer über Land gefahren bin, einfach so, ohne ein Ziel… Cruisen nannten wir das damals…

Billig tanken

Und hier in Wien tanke ich für 98cent. Wunderbar. Wie damals.

Die Übernachtung bei Lilly war (a) komfortabel und (b) ausreichend lang um auszuschlafen. Nachdem ich gestern schon um 4:45Uhr aufgestanden war, ging abends nichts mehr. 20Uhr in’s Bett – Feierabend. Für ihre Schüler bin ich übrigens “der Deutsche mit dem Doppelnamen” – mehr hat sie ihnen nicht verraten. Ich muß mal Andreas fragen, ob er in Texas auch “der Deutsche” genannt wird. Aber vermutlich heißt er da “Kraut” oder so ähnlich.

Wien steckt mitten im Wahlkampf. Am 1. Oktober wird hier gewählt, und was ich so im Radio höre ist Ausländerpolitik ein ganz heißes Thema. FPÖ und BZÖ rühren unerträglich die Populismus-Trommel. Lilly meint, daß auch unter ihren Schülern Ausländerfeindlichkeit verbreitet ist. Die Schule läge halt in einem schwierigen Bezirk.

Ob sie da nicht Probleme bekommt, wenn ich sie zur Schule fahre – ne, meint sie, ich wäre ja Deutscher und das würde nicht zählen.

Gestern haben übrigens die ersten Prüfungen zur Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft stattgefunden. Da ich nicht weiß, wann die europäischen Menschenrechte in die österreichische Verfassung aufgenommen wurde oder wann der erste Bundespräsident direkt gewählt wurde, wäre ich vermutlich direkt durchgerasselt.

Aber, wie gesagt – als Deutscher bin ich in Österreich nicht einmal Ausländer – sondern einfach nur “der Deutsche mit dem Doppelnamen”. Im Gegensatz zu Polen – da bekommt man als Deutscher nicht einmal mehr Rabatt im Zug.

Alter verspießerter Sack

So langsam mutiere ich zu einem alten verspießerten Sack. Oder woher kommt die Liebe für geordnete Abläufe, die sich langsam in mein Leben schleicht?

Wir hatten hier in unserem Bürogebäude über Monate einen chronischen Mangel an Besprechungsräumen, weil irgend ein Witzbold die Loft-Etage mit den Konferenzräumen “entmietet” hat (jaja, ich weiß schon, daß war kein Witzbold sondern lediglich die ausführenden Organe unserer Real-Estate-Strategen). Kurz und gut – jetzt ist endlich für Ersatz gesorgt. Allerdings sind die Räume binne weniger Tage auf Wochen im voraus ausgebucht, vorzugsweise den ganzen Tag mit der Bemerkung “divers. Bespr.”

Als ich gestern mit vier Mann auf der Suche nach einem Besprechungsraum dann doch eigentlich als gebucht markierten Räume abgeklappert habe, waren prompt drei ungenutzt. Ist es denn so schwer, beim Absagen einer Besprechung auch gleich den Raum wieder als frei zu markieren? Oder am besten gar nicht erst zu buchen, wenn man ihn nicht braucht? Wie gesagt – ich werde langsam spießig.

Familienessen

Im Münsterland entdecken sie gerade die Großfamilie wieder, sagen sie im Radio, denn durch den Stromausfall lernen die Kinder und Enkel die entscheidenden Vorteile eines Holzofens in der Küche der Großeltern schätzen. Der Reporter schwärmt von Bildern wie in alten Zeiten.

In München ist man dagegen Schnee gewohnt und leidet nicht unter Stomausfall – aber Familienessen gibt es hier trotzdem. Ich bin heute mal wieder im Stammhaus in der Münchner (ein Münchner würde niemals Münchener sagen) Innenstadt. In der Kantine fallen mir etliche Menschen auf, die ganz sicher (trotz aller Renten-Eintrittsalter-Verschiebungen) nicht mehr am aktiven Berufsleben teilnehmen.

Und tatsächlich bekommt man mit dem Ruhestand von dem kleinen Familienunternehmen, für das ich arbeite, einen Rentnerausweis, der unter anderem zum Besuch der Kantine berechtigt. In den anderen Standorten fällt das nicht so auf, aber hier, in der Münchner Innenstadt, wohnen viele altgediente Mitarbeiter in den Mietswohnungen, die nach dem Krieg direkt neben dem Stammhaus aufgebaut wurden – und damit eben nur einen kleinen Spaziergang vom ehemaligen Arbeitsplatz entfernt.

Auch das vermittelt ein sehr familiäres Gefühl – wenngleich wir dank einer guten Zentralheizung nicht so dicht zusammenrücken müssen, wie die Großfamilie im Münsterland.

Fliegender Riese

Hmmm – das war jetzt irgendwie… entäuschend. Ich muß mir bei Gelegenheit mal eine Digi-Cam an den Arbeitsplatz legen.

Von meinem Büro aus habe ich einen recht passablen Blick über die Frachtterminal des Münchner Flughafens und ein Stück Rollbahn. Da erhasche ich schon mal einen Blick auf ein etwas ungewöhnlicheres Flugzeug. Gut, der A380 war noch nicht zu Gast – aber heute rollte immerhin eine Antonov über das Rollfeld zur Startbahn. Also schnell das Fotohandy gezückt. Das Ergebnis ist allerdings… äh… pixelig… Aber das Flugzeug ist beeindruckend – wirklich.