Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Category : In und um Fürth

Kein Motorradwetter

Das Motorrad bleibt heute unter seiner Faltgarage. Der Wetterochs, ein Hobby-Meterologe, der auf seiner Webseite recht zuverlässig das Wetter für den Großraum Nürnberg prognostiziert, hat vor Schnee und Minusgraden gewarnt. Jetzt sah es heute morgen in Fürth nicht so sehr nach Weltuntergang aus, wie bei Kollege Alex in Marburg. Aber richtig einladend war dieser trübe Himmel auch nicht. Und mittlerweile fallen tatsächlich ein paar vereinzelnte Flöckchen. Der Wetterochs meint, gegen Mitte der Woche wird es wärmer – aber dafür soll es regnen.

Also bleibt “Victor” daheim – und damit bleibe ich meiner Marotte treu, meine Fahrzeuge nach Figuren aus Filmen von Luc Besson zu benennen. Mein alter Volvo hieß “Mathilda“, meine aktuelle A-Klasse “Josephine” und das Motorrad (ist eindeutig ein er) “Victor“. Stella dachte ja zuerst an eine Figur aus dem Film “Underworld” – aber das muß ich entschieden verneinen (wobei der Viktor auch kein schlechter Namens-Pate gewesen wäre).

Nörgelnde alte Säcke

Deutsche nörgeln gerne (das gehört zumindest zu unserem Selbstbild) – also fange ich mit dem an, was ich gerne mache: Nörgeln. Zwei Dinge mag ich am Nürnberger Burgtheater nicht – das eine sind die viel zu eng stehenden Klappstühle, auf denen man während der gesamten Vorstellung keine bequeme Sitzposition zu finden vermag. Ich muß Simon mal fragen, ob das Kalkül ist, damit niemand während der Vorstellung einschläft (Simon ist mein Nachbar und Gelegenheits-Techniker im Burgtheater).

Die andere Sache ist die Pause, die auch in kurzen Programmen stets eingeschoben wird. Nicht, daß mich der Getränkeverkauf stören würde, mit dem das Burgtheater sich dringend benötigte Devisen in harten Euros verschafft. Was mich nervt ist die olfaktorische Attacke der Blondine neben mir, die es ihrem Mundgeruch nach zu urteilen in den fünfzehn Minuten geschafft hat, eine halbe Schachtel Rothändel wegzuschmöken.

Dafür ist das Programm vom Burgtheater gut und die Preise akzeptabel. Heute abend war Marc-Uwe Kling zu Gast. Sein Programm werte ich als kurzweilige Mischung aus absurden Alltagsgeschichten und bisweilen radikaler Linksutopie. Richtig Laune macht seine Kolumne “Neues vom Känguru”, das übrigens auch im Internet als Podcast zu hören ist (sofern man die extrem nervigen Radio-Teaser zu Beginn jeder Folge ertragen kann).

Marc-Uwe sieht sich selbst als Teil der “Generation Praktikum” – und macht mir, während er (als Twen) über die Mitte-Dreißiger herzieht, schmerzlich bewußt, daß die Generation nach mir nicht mehr pubertierend über die Schulhöfe wandert – sondern auch schon erwachsen ist. Und so langsam bekomme ich Schiß davor, daß die Bezeichnung “alter Sack”, mit der ich so gerne kokettiere, tatsächlich auf mich zutrifft.

Ich sollte mal wieder öfter abends ausgehen.

Um einen Zentimeter

Freitag, kurz vor sechs kam er dann doch noch – der Lieferant vom Bettenhaus Amtmann – und schleppte nach und nach Matratzen, Lattenrost Rahmen und Bettgestell in den zweiten Stock (dank der frischen Zahn-OP darf ich ja nichts anstrengendes machen). Doch auf die erste Freude folgte gleich die Ernüchterung. Das Betgestell ist 2,06m breit – der Raum, in dem ich es aufstellen will, ist aber nur 2,05m breit.

“Kennst Du einen Schreiner? Der kann das abschneiden!” schlägt der Lieferant gleich vor. Ja. Genau. Ich kaufe für teures Geld ein Bettgestell um es dann gleich kaputtschneiden zu lassen.

Das Bettgestell durfte er dann wieder mitnehmen und bezahlt habe ich nur Matratzen und Rahmen. Aber nachdem ich heute nochmal bei der Chefin vorstellig geworden bin, sind wir zu einer recht guten Lösung gekommen. Sie nimmt das Gestell zurück, dafür bekomme ich ein Gestell, das nur aus Säulen besteht, die die Rahmen tragen. Schmaler geht’s wirklich nicht.

Schon wieder irisch

Irgendwie sehen alle Irish Pubs ja gleich aus – so bemüht irisch, so, wie man sich das als Deutscher halt vorstellt, möglichst düster in dunklem Holz gehalten, die Beleuchtung schummrig, dämmrig. Das Irish Castle, das mir Frederick heute am Nürnberger Plärrer gezeigt hat, ist da anders. Ganz anders.

Die Schankräume liegen in einem alten, ziegelsteinernen Kellergewölbe und erstrecken sich über mehrere Räume. Düster ist es auch hier, aber die Beleuchtung ist nicht ganz so schummrig und vor allem hat man auf die obligatorische Holzvertäfelung verzichtet. Die kühlfeuchte Kellerluft tut der Stimmung keinen Abbruch. Schade war allerdings, daß die Liveband ihre Musik in den wirklich engen Räumen derart technisch verstärkt hat, daß man kaum sein eigenes Wort verstehen konnte.

Naja – allzu alt sind wir heute abend eh nicht geworden. Als Bäckermeister muß Frederic im Familienbetrieb um 4Uhr früh schon wieder auf der Matte stehen.

Mädchen, Monster, Missgeschicke

Unter dem Titel “Mädchen, Monster, Missgeschicke” haben gestern Abend Flix, Ralph Ruthe und Christian Moser eine Lesung im Nürnberger Burgtheater gegeben. Flix habe ich ja vor einem Jahr in München persönlich kennengelernt – aber Ralph kenne ich ebenfalls. 1995 habe ich gelegentlich bei der Neuen Westfälischen als freie Mitarbeiter gejobbt und über so spannende Dinge wie die Jahreshauptversammlung des Kaninchenzüchtervereins geschrieben. Und Ralph hat damals als Schriftsetzer in der Anzeigenannahme gearbeitet. Später hat er dann (auf meine Anregung hin) das Titelblatt unserer Abizeitung für zwei Eintrittskarten zum Abibesäufniss Abiparty gestaltet. Er hat sich natürlich sofort an mich erinnert hatte natürlich keine Ahnung, wer ich bin. Macht aber nichts. Das Stichwort “NW” hat gereicht.

Die drei Zeichner Moser, Flix und Ruthe

Und dann haben mich die beiden (und ein bißchen auch der Christian Moser, obwohl ich den gar nicht kannte – was eine Schande ist, denn sein Vortrag über die Monster des Alltags war echt klasse) nach der Vorstellung noch eingeladen in ein Tapas-Restaurant. Der Koch ließ sich überreden, seine Jacke noch einmal auszuziehen (er wollte gerade gehen) und uns trotz fortgeschrittener Stunde die Reste aufzuwärmen. Und es war eine klasse Runde.

Nach der Lesung signieren die Autoren - stundenlang…

Später, im Rausgehen, bin ich noch mit Simon, dem Techniker vom Burgtheater, in’s Gespräch gekommen. Und dabei stellte sich heraus, daß er nicht nur Heilpraktiker ist, sondern wir Nachbarn sind. Er wohnt wirklich nur ein Haus weiter. Und die 600er Suzuki, die mir schon ein paar mal auf dem Gehsteig aufgefallen ist, gehört ihm. Ich weiß schon, mit wem ich ab März das Fürther Umland unsicher mache.

Doch nicht so verschwiegen…

“Meine” beiden Bundestagsabgeordneten haben sich heute bei mir per Email gemeldet. Christian Schmidt scheinbar persönlich, während mir Marlene Rupprecht ihre Antwort durch eine Mitarbeiterin hat zukommen lassen. Spannend. Beide hatten anderweitige Termine (Herr Schmidt erläutert mir sogar welchen) – und beide haben sich ordnungsgemäß beim Präsidenten des Deutschen Bundestages für diese Abstimmung entschuldigt (hätte gar nicht gedacht, daß der zweite Mann im Staat ein Klassenbuch führt :-) )

Während Herr Schmidt mir ein wenig die Funktionsweise von parlamentarischer Arbeit im allgemeinen und der Arbeit in einer Fraktion im besonderen erklärt (und dabei Wert darauf legt, daß es einen “Fraktionszwang” nicht gibt – zumindest nicht in der CSU) erläutert Frau Rupprecht, daß sie in jedemfall gegen das Gesetzt gestimmt hätte.

Herr Schmidt lädt mich dann noch ein, ihn mal in Berlin zu besuchen. Na, das werde ich doch mal wahrnehmen. Neugierig bin ich ja doch, was unsere Franken da so treiben.

Immerhin fühle ich mich als Wähler insofern ernst genommen, daß beide meine Anfrage beantwortet haben. Ich finde, das kann man auch ruhig mal machen. Sollen unsere Politiker ein wenig direktes Feedback aus dem Wahlkreis bekommen. Schadet sicher nicht.

Irisch

Branko hat eine Schulung in Nürnberg – und das haben wir heute abend ausgenutzt, um mit Frederic (von dem ich erst heute erfahren habe, daß er in Erlangen wohnt) in’s Murphy’s Law zu gehen, einem Irish Pub in Erlangen. Und wie es halt so ist, wenn Rollenspieler sich treffen – wir haben drei Stunden nur über LARP philosophiert. Wenn ich morgen mit Branko durch Nürnberg tingel müssen wir unbedingt noch andere Gesprächsthemen finden ;-)

Aber es war ein supernetter Abend. Und mit Frederic muß ich unbedingt wieder was losmachen.

Charlotte und die Wurzelkanäle

“Kommt schon mal vor, daß der Zahn noch einen vierten Wurzelkanal hat – den finden aber die wenigsten Zahnärzte.” – ich bin mir nicht sicher, ob meine Zahnärztin sich dabei am liebsten selbst auf die Schulter geklopft hätte oder ob sie wirklich Mitleid hatte. Denn statt den Zahn jetzt endlich abzufüllen mußte sie ihn nach dem Fund des vierten Kanals wieder provisorisch verschließen.

Aber um zu verstehen, worum es geht, muß ich zurück in den August springen. Da war mir (natürlich mitten im Urlaub, während ich meine Eltern besuchte) ein Zahn hochgegangen. Sprich einer der Zähne, den meine Zahnärztin im Mai retten wollte, hat sich fett entzündet. Damit lag ich wenig später in der für ihn üblichen Schocklage bei meinem alten Kinderzahnarzt. Der machte mit seinem Kollegen mir zuliebe ein paar Überstunden und bohrte sich munter zur Wurzel des Problems vor. Wurzelbehandlung ohne Betäubung – ich glaube, nicht mal der Armbruch, den ich mir als Teenager zugezogen hatte, hat so Hölle wehgetan.

Jedenfalls hatte er drei Kanäle gefunden und mir ein Provisorium eingesetzt, um der Entzündung Zeit zur Heilung zu geben. Und jetzt das – ein vierter Kanal. Eigentlich sollte ich ja froh sein, daß meine Zahnärztin den gefunden hat. Aber ich wäre trotzdem glücklich, wenn diese ganze Geschichte endlich mal ein Ende findet.

Immerhin hat mich Charlotte (so habe ich das Navigationssystem in meinem Mietwagen getauft) sicher um einen ewig langen Stau herummanövriert, mitten durch die bayerische Pampa. Angesichts der Tatsache, daß Charlotte in ein bayerisches Qualitätsproduk (BMW X3) eingebaut ist, verwundert mich nun aber doch, daß sie sich nicht in Münchens Nebenstraßen auskennt und mich beharrlich zu einem Wendemanöver überreden möchte. Frauen…

Mittelalterlich G’schrummel

Vergangenen Samstag war maein großer Einzugsstag. Und um mir nach erfolgreichem Hau-Ruck-Umzug was Gutes zu gönnen, bin ich spontan in ein Konzert der Mittelalterband “Geyers”
gegangen (der Arbeitskreis Dorgestaltung Poppenreuth hatte in die Pfarrscheune eingeladen). Und das war gleich in mehrfacher Hinsicht klasse. Denn zum einen kannte ich die Musik der Band noch gar nicht – und die ist wirklich gut. Zum anderen bin ich mit einigen Besuchern dort in’s Gespräch gekommen und habe dabei die Stadträtin Rosi Koch kennengelernt. Und die konnte mir einiges über das “Weltkaff” Fürth erzählen.

Geyers

Übrigens – das, was da auf dem Tisch liegt, ist tatsächlich eine Schlüsselfiedel.

Fürth

Die Erlanger mögen es mir nachsehen – aber ich finde die Stadt nicht besonders attraktiv. Auf keinen Fall attraktiv genug, um dort zu wohnen. Nürnberg wäre eine Alternative – aber die Stadt ist mir zu groß und ich mag den Stadtverkehr dort nicht.

Aber Fürth… Fürth hat mich mit seinen langen Straßenzügen, den Häusern aus der Gründerzeit und ihren Sandsteinfassaden für sich eingenommen. Ich wohne jetzt in einer feinen 3,5-Zimmer Wohnung in der Fürther Südstadt. Dieser Stadtteil war mal durch eine US-amerikanische Kaserne dominiert. Aber die Soldaten sind abgezogen und jetzt wird hier fleißig renoviert, entkernt und saniert. Die Wohnung, in die ich mich eingemietet habe, wurde allerdings schon vor 20 Jahren saniert. Aber ich mag sie.

Sie hat nur einen großen Nachteil: kaum Staufläche. Ich weiß nicht, wohin mit dem ganzen Kram. Es stapeln sich die Kisten, der Balkon steht voll. Ich werde in den nächsten Tagen nach und nach die Kartons sichten, wegwerfen oder bei ebay verkaufen.