Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Category : Gedankengänge

Reisepaß und Geburtsurkunde

Die Sache mit der Geburtsurkunde letzte Woche hat mir keine Ruhe gelassen. Zumal Norbert und Michael darauf hingewiesen haben, daß es nicht rechtens sein kann, die Ausstellung eines Reisepaß bei fehlender Geburtsurkunde zu verweigern.

Also bin ich heute noch einmal zum Einwohnermeldeamt gegangen und habe höflich aber bestimmt darauf bestanden, daß diese Regelung geändert wird – worauf mich die Damen an den “Geschäftsleitenden Beamten” M., also den obersten Beamten im Rathaus Moosburg, verwiesen.

M. scheint lieber selber zu reden, als zuzuhören – und so redete er von dem Datenabgleich, schließlich könne ja in den Personalausweisen die Daten falsch sein, und was sie schon für Daten von anderen Standesämtern bekommen hätten die falsch gewesen wären, und daß sie ja sicher gehen müßten, daß die Daten stimmen, und daß selbst Reisepässe falsch sein könnten, vielleicht ein oder zwei von tausend, aber immerhin, und wenn ich jetzt, also nur als Beispiel, einen Doktortitel vom Personalausweis auf den Reisepaß übertragen lassen wolle, dann würden sie sich ja auch Beurkundung noch einmal kopieren und hier in Moosburg zu den Akten legen, und es würde ja sicher niemand hier im Rathaus den Bürger gängeln wollen, und man müsse aber doch sicher sein…

Wie gesagt – M. redet scheinbar gern. Ich werde in solchen Fällen oft sehr kühl und beharre ruhig auf dem Kern des Problems. In diesem Fall: Seine Mitarbeiterinnen haben mir trotz Vorlage meines Personalausweises die Ausstellung eines Reisepaß verweigert mit der Begründung, ich müßte zusätzlich meine Geburtsurkunde vorlegen. Und das ist (mit Verweis auf das BMI, danke Michael) nicht rechtens.

Er versprach, er werde das noch einmal prüfen und sich bei mir melden – und seinen Mitarbeiterinnen im Einwohnermeldeamt gegebenenfalls neue Weisung geben. Ich bin gespannt.

Nachtrag: M. hat gerade angerufen – die Rechtslage sein “nicht eindeutig” und er habe seine Mitarbeiterinnen angewiesen, das künftig “nicht mehr so eng” zu sehen. So formuliert man das, wenn man das eigene Gesicht wahren möchte. Mit anderen Worten, sie werden auch weiterhin nach einer Geburtsurkunde fragen, aber die Ausstellung eines Reisepaß nicht mehr verweigern. Ich habe es jetzt dabei belassen. Man muß ja nicht immer alles so eng sehen und noch einen drauf setzen.

Vermessen

Aha – wieder was gelernt. Für den neuen Reisepaß braucht man nicht nur eines dieser grauenhaften biometrischen Paßbilder, sondern auch die Geburtsurkunde – jenes vergilbte Blättchen Papier, das selbst ich als Laie heute ohne große Schwierigkeiten mit einem Farbdrucker und Photoshop fälsche ist also nach wie vor die Legitimation, daß ich nicht nur ich bin, sondern auch deutscher Staatsbürger.

Wobei – nachdem ich mir heute auch gleich noch den internationalen Führerschein besorgt habe, wundert mich ja gar nichts mehr. Während nämlich der neue Reisepaß absolut fälschungssicher sein soll, ist der internationale Führerschein immernoch eine lose zusammengetackerte Blättchensammlung ein einfaches amtliches Dokument.

Was ich nicht wußte – ich muß gleichzeitig meinen rosa Führerschein hergeben und bekomme dafür den häßlichen neuen Führerschein in Scheckkartenformat – natürlich mit einem Biometrie-Photo. Schade eigentlich.

Der Westfale biometrisch vermessen

Operation Büffelspur III

Fertig – noch nie war auf Englisch schreiben so ein Krampf. Zum Glück hatte Andreas einen Muttersprachler an der Hand, der das ganze gegenlesen konnte. Und vor allem durfte ich das ganze auch noch von dem total un-intuitivem Schrott-Programm für Layout-Profis sicher ganz tollen Layout-Programm Freehand nach PowerPoint portieren.

Jetzt heißt es… warten.

Internet-Popularität III

Ich bin begeistert – Flix hat mich auf seiner Seite verlinkt. Ich hatte ihm die Photos von seiner Lesung im Hinterhof-Theater zugeschickt und scheinbar haben sie ihm gefallen :-)

Ich muß ihm aber energisch widersprechen: sein Anfangs-Gag hat gezündet – aber das Kichern von einem Dutzend Leute ist halt nicht so laut wie das Gelächter in einem vollbesetzten Friedrich-Stadtpalast.

Tragische Geschichten von Leuchttürmen

Nickel Creek kenne und schätze ich, seit sie irgendwann einmal nachts im bayerischen Rundfunk gespielt wurden – ich hätte nicht gedacht, daß ich ausgerechnet auf Bluegrass stehe. Ich hatte sie dann erst einmal wieder beiseite gelegt, aber aktuell spiele ich sie wieder öfter – vor allem “Lighthouse“. Tragische Geschichte auf prima Musik…

Operation Büffelspur II

Operation Büffelspur lag in den vergangenen Wochen auf Eis – aber jetzt hatte ich wieder ein Gespräch mit Alex. Schlechter sind meine Chancen nicht geworden, eher besser. Jetzt muß ich nur noch meinen Hintern hochbekommen.

Fortsetzung folgt…

Operation Büffelspur

Die Nacht war kurz – aus verschiedenen Gründen. Am meisten bewegt mich ein zufälliges Treffen mit Alex in der Siemens-Kantine gestern. Er hat mir da eine ganz neue Perspektive eröffnet. Keine Ahnung, wie hoch die die Wahrscheinlichkeit einschätzen soll, daß sich da was realisieren läßt. Aber einen Versuch ist es Wert.

Also starte ich noch vor Weihnachten Operation Büffelspur.

Rückehr auf die Hohnstein

Unterer Burghof

Burg Hohnstein ist ein sehr wichtiger Punkt in meinem Leben. Mit ihr verbinde ich zwei sehr aufwendige Live-Rollenspiele, Slaves to Darkness II und III. Das Dreier war meine Feuertaufe als Spielleiter, es war das erste mal, daß ich erlebte, wie ein gut durchorganisiertes LARP aussehen kann – und wieviel trotzdem schief gehen kann. Wobei Feuer das falsche Bild ist. Bei -32° ist uns der Diesel in den Autos flockig geworden. Zeitweilig habe ich auf dem LARP sogar den Laden zusammengehalten, als der Organisator Daniel für knapp einen Tag ausgefallen war – was war ich stolz danach.

Burg Hohnstein liegt in der sächsischen Schweiz, südöstlich von Dresden. Irgendwo im Nirgendwo. Die Burganlage ist recht groß. Über zwei Burghöfe sind mehrere Gebäude verteilt, ein Paradies für Liverollenspieler. Die Burg liegt oberhalb einer Schlucht – das heißt der dem Dorf Hohnstein abgewandten Seite geht es dreißig Meter in die Tiefe. Und darunter erstreckt sich der Beerengarten, ein Naturschutzgebiet. Einfach ein toller Ort.

Blick vom Turm auf den oberen Burghof

Nach dem Slaves 3 war es dann leider vorbei mit dem Spielort Hohnstein. Die Jugendherberge wurde an den Bund der Naturfreunde verkauft, die (zumindest damals) LARPern gegenüber nicht so aufgeschlossen waren.

Aufstieg in den Burgturm

Nachdem ich mich von Görlitz auf dem Rückweg nach Moosburg befand, wollte ich die Zeit für einen Besuch nutzen. Vieles ist beim alten geblieben – und einiges hat sich verändert. Der Gewölbekeller, in dem Daniel im Schein von Feuerschalen dem sächsischen Lokalfernsehen ein Interview gab und darüber fabulierte, daß der Ritter Ozelot hier auf das Mütterchen mit der Holzkiepe treffen könnte, ist heute frisch geweißt und beherbergt ein kleines Museum. Der Pavillion, in dem wir einen komplizierten Tempel mit Wasserspielen installiert hatten (den wir uns dann wegen der Kälte dann aber doch nicht in Betrieb zu nehmen trauten) bietet heute einer Kletterwand für Kinder Platz. Den oberen Burghof ziert nun ein großer Cola-Automat. Und die notdürftigen Geländer an den Burgmauern sind Sicherheitszäunen gewichen.

Nur der alte Esssaal scheint genau so, wie wir ihn verlassen haben. An der Decke hängt immernoch das gleiche alte Netz, das unsere Spieler so nervös gemacht hatte. Und die gleiche bunte Lichterkette. Nur die schönen Holzstühle mit 50er-Jahre-Charme sind billigen Plastikstühlen gewichen.

Der Speisesaal

Für mich ist die Erinnerung lebendig. Es hat gut getan, zurückzukehren. Wer weiß – vielleicht veranstalte ich hier mal wieder was? 2008? :-)

Photos vom Slaves to Darkness 2

Photos vom Slaves to Darkness 3
NC’s Fantasy-LARP Photos

Heimgekehrter Vertriebener

Die Überschrift ist Unsinn. Erstens bin ich kein Vertriebener. Als geborener Westfale (Ostwestfale, soviel Zeit muß sein) habe ich die bayerische Diaspora freiwillig gewählt. Die preußischen Gastarbeiter werden hier aber auch wirklich gut behandelt und am Sonntag bekommen wir sogar etwas Fleisch in unsere Brühe…

Ich schweife ab. Selbst wenn ich einmal den Schuß friesisches Blut (ostfriesisches Blut, soviel Zeit muß sein) außer acht lasse und mich ganz auf die Ahnenlinie väterlicherseits konzentriere, kehre ich mit meiner Fahrt nach Niederschlesien eben nicht heim – denn geflüchtet ist meine Familie nach dem Krieg aus Oberschlesien.

Also nochmal: die Überschrift ist Unsinn. Aber in den Osten Deutschlands bin ich trotzdem gefahren. Nach Görlitz, um Dimitar zu besuchen. Görlitz liegt im Bundesland Sachsen, gehört aber trotzdem zu Niederschlesien. Entsprechend wird dort nicht gesächselt sondern ein für einen Ostwestfalen angenehm verständliches Hochdeutsch gesprochen.

Görlitz als Stadt ist überwältigend. Die barocke Altstadt ist unglaublich schön – nur der Leerstand der Wohnungen (wundervolle Altbauten, zum Gutteil saniert) fällt auf. Als Architekt kennt sich Dimitar aus und kann mir einiges auf dem Stadtrundgang erklären.

An diesem Wochenende wurde ich erst von Dimitars Eltern verköstigt, dann von der Familie seiner Freundin und schließlich von seinem Bruder – wenn ich also kugelrund nach Hause fahre liegt das an der wunderbaren Gastfreundschaft, die ich genießen durfte. Herzlichen Dank dafür.

Zu Besuch in Darmstadt

Seit Sonntag belagere ich Thilos Wohnzimmer. Thilo hat eine Wohnung fast direkt an der Darmstädter Innenstadt gefunden – fast komplett gefließt mit einem Balkon – echt nett.

Tagsüber, während Thilo arbeitet und seltsame Schaltkreise für ein winziges Stück Silizium entwirft, stromere ich durch Darmstadt. Die Innenstadt wurde im zweiten Weltkrieg weggebombt und der folgende Wiederaufbau hat so ziemlich alle Betonsünden der 50er Jahre mitbekommen. Aber die Kuppelkirche ist wirklich außergewöhnlich.

Dank schnellem Internet-Anschluß konnte ich Montag gleich die Photos vom Wochenende nachbearbeiten und in’s Netz stellen. Da sind ein paar wirklich hübsche dabei. Doch, ich bin ganz zufrieden. Abends haben mich Annika und Thilo mitgenommen in’s Cafe Chaos. Neben der “ausgefallenen” Speisekarte fallen sofort die vielen Automaten in’s Auge. Der Kneipier ist ein Automatenfan und hat aus seinem Cafe ein kleines Museum gemacht. Alle Automaten funktionieren und bieten allerlei seltsame Waren feil. Thilo braucht noch ein Paket Batterien – kein Problem.

Dienstag Abend waren Freunde zu Besuch. Andreas hat recht, RoboRally ist ein absolut geniales Spiel – was für ein Spaß… und ich habe nur ganz ganz knapp den zweiten Platz belegt. Grrr!

Heute Mittag geht es weiter nach Diemelstadt auf’s Drachenfest.