Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Category : Als Westfale in Bayern

Leb wohl, rosa Zeit

Meine neue Führerscheinkarte Das war sie dann, meine rosarote Zeit. Was war ich stolz, als ich meinen Lappen am 4. November 1996 vom Prüfer entgegen nehmen durfte – ohne ein einziges Loch. Alle verfügbaren Führerscheinklassen hatte ich mir erkämpft, alle.

Und nun? Kreditkarten-Tristess. Noch dazu ist deutlich zu sehen, daß ich eben nicht alle Führerscheinklassen habe, weil ich keinen Bus steuern darf. Und der Vermerk “unbefristet” wurde (zumindest für den LKW-Führerschein) durch das Datum 27.03.2025 ersetzt. Welch Schmach, welch Abgrund.

Und so ist denn die Zeit, in der ein Pferdeschwanz mein Haupthaar zierte nichts mehr als eine Erinnerung mit dem dicken Stempel “Ungültig”.

Mein alter rosa Lappen - nun ungültig

Besuch aus Krefeld

Na, das war ja auch mal fällig – lieber Besuch aus Krefeld. Und sie bleibt bis Ostern. Stella hat über sieben Stunden gebraucht für eine Strecke, die ich in fünf fahre (wobei ich allerdings zugebe, daß ich auch einige Liter mehr Diesel dabei verfahre) – aber ich will mich nicht beschweren. Die Zeit hat meine Wohnung dringend gebraucht um im saubersten Glanz zu erstrahlen :-) Und das beste ist – es sind endlich die ganzen Umzugskartons verschwunden, die seit Oktober unberührt hier herumstanden.

Paket aus Amerika

Von meinem reichen Onkel in Texas kam heute ein Paket zu meinem Geburtstag – und ich darf vor Dienstag nicht reingucken… wie gemein!

Reisepaß und Geburtsurkunde

Die Sache mit der Geburtsurkunde letzte Woche hat mir keine Ruhe gelassen. Zumal Norbert und Michael darauf hingewiesen haben, daß es nicht rechtens sein kann, die Ausstellung eines Reisepaß bei fehlender Geburtsurkunde zu verweigern.

Also bin ich heute noch einmal zum Einwohnermeldeamt gegangen und habe höflich aber bestimmt darauf bestanden, daß diese Regelung geändert wird – worauf mich die Damen an den “Geschäftsleitenden Beamten” M., also den obersten Beamten im Rathaus Moosburg, verwiesen.

M. scheint lieber selber zu reden, als zuzuhören – und so redete er von dem Datenabgleich, schließlich könne ja in den Personalausweisen die Daten falsch sein, und was sie schon für Daten von anderen Standesämtern bekommen hätten die falsch gewesen wären, und daß sie ja sicher gehen müßten, daß die Daten stimmen, und daß selbst Reisepässe falsch sein könnten, vielleicht ein oder zwei von tausend, aber immerhin, und wenn ich jetzt, also nur als Beispiel, einen Doktortitel vom Personalausweis auf den Reisepaß übertragen lassen wolle, dann würden sie sich ja auch Beurkundung noch einmal kopieren und hier in Moosburg zu den Akten legen, und es würde ja sicher niemand hier im Rathaus den Bürger gängeln wollen, und man müsse aber doch sicher sein…

Wie gesagt – M. redet scheinbar gern. Ich werde in solchen Fällen oft sehr kühl und beharre ruhig auf dem Kern des Problems. In diesem Fall: Seine Mitarbeiterinnen haben mir trotz Vorlage meines Personalausweises die Ausstellung eines Reisepaß verweigert mit der Begründung, ich müßte zusätzlich meine Geburtsurkunde vorlegen. Und das ist (mit Verweis auf das BMI, danke Michael) nicht rechtens.

Er versprach, er werde das noch einmal prüfen und sich bei mir melden – und seinen Mitarbeiterinnen im Einwohnermeldeamt gegebenenfalls neue Weisung geben. Ich bin gespannt.

Nachtrag: M. hat gerade angerufen – die Rechtslage sein “nicht eindeutig” und er habe seine Mitarbeiterinnen angewiesen, das künftig “nicht mehr so eng” zu sehen. So formuliert man das, wenn man das eigene Gesicht wahren möchte. Mit anderen Worten, sie werden auch weiterhin nach einer Geburtsurkunde fragen, aber die Ausstellung eines Reisepaß nicht mehr verweigern. Ich habe es jetzt dabei belassen. Man muß ja nicht immer alles so eng sehen und noch einen drauf setzen.

Vermessen

Aha – wieder was gelernt. Für den neuen Reisepaß braucht man nicht nur eines dieser grauenhaften biometrischen Paßbilder, sondern auch die Geburtsurkunde – jenes vergilbte Blättchen Papier, das selbst ich als Laie heute ohne große Schwierigkeiten mit einem Farbdrucker und Photoshop fälsche ist also nach wie vor die Legitimation, daß ich nicht nur ich bin, sondern auch deutscher Staatsbürger.

Wobei – nachdem ich mir heute auch gleich noch den internationalen Führerschein besorgt habe, wundert mich ja gar nichts mehr. Während nämlich der neue Reisepaß absolut fälschungssicher sein soll, ist der internationale Führerschein immernoch eine lose zusammengetackerte Blättchensammlung ein einfaches amtliches Dokument.

Was ich nicht wußte – ich muß gleichzeitig meinen rosa Führerschein hergeben und bekomme dafür den häßlichen neuen Führerschein in Scheckkartenformat – natürlich mit einem Biometrie-Photo. Schade eigentlich.

Der Westfale biometrisch vermessen

Einfach so, ganz spontan

Herr Grund ist einer der Moosburger, mit denen ich schon sehr früh Bekanntschaft gemacht habe. Tag für Tag wandert dieser Mann stets gut gelaunt durch die Stadt und achtet mit wachsamen Augen, daß auch ja niemand die erlaubte Parkzeit überschreitet. Unsere Wohnung liegt direkt im Ortskern – gratis parken darf man hier unter der Woche nur von 18 bis 8Uhr. Sonst gibt’s von Herrn Grund ein Knöllchen. Oft wandert er aber auch nicht vorbei, hat vielleicht seinen freien Tag oder Innendienst. Und immer, wenn ich darauf spekuliere, hängt wieder ein Überweisungsformular am Scheibenwischer.

Seit Oktober haben sich drei davon angesammelt – und weil die Stadt mir schon mit Vollstreckung drohte, habe ich mir heute morgen die Zeit genommen und bin zur Stadtkasse getingelt. Und weil ich schon mal gerade da war, bin ich aus dem Rathaus heraus gleich in die gegenüber gelegene Sparkasse marschiert. Meine Schwester Mareke hatte vor Jahren einmal eine Wohnung direkt von der Sparkasse gemietet und dabei ziemliches Glück, was die Renovierungsarbeiten anging. Vielleicht, dachte ich, haben die ein interessantes Angebot. Denn gerade jetzt im Winter ist unsere Wohnung sehr sehr unschön.

Leider vermietet die Sparkasse Moosburg keine eigenen Objekte, tritt aber gelegentlich als Makler auf. Das Angebot war zwar etwas mager, aber eine Doppelhaushälfte in Moosburg klang so interessant, daß ich einfach mal dran vorbeigefahren bin. Und wie ich so um das Haus herumgehe, treffe ich die Ehefrau des Vermieters. Sie ist nett und zeigt mir spontan die Räume (obwohl ich mit der Maklerin schon einen Besichtigungstermin für morgen vereinbart habe). Sieht wirklich nett aus…

Morgen nachmittag schaue ich mir das Haus mit Corinna an.

Familienessen

Im Münsterland entdecken sie gerade die Großfamilie wieder, sagen sie im Radio, denn durch den Stromausfall lernen die Kinder und Enkel die entscheidenden Vorteile eines Holzofens in der Küche der Großeltern schätzen. Der Reporter schwärmt von Bildern wie in alten Zeiten.

In München ist man dagegen Schnee gewohnt und leidet nicht unter Stomausfall – aber Familienessen gibt es hier trotzdem. Ich bin heute mal wieder im Stammhaus in der Münchner (ein Münchner würde niemals Münchener sagen) Innenstadt. In der Kantine fallen mir etliche Menschen auf, die ganz sicher (trotz aller Renten-Eintrittsalter-Verschiebungen) nicht mehr am aktiven Berufsleben teilnehmen.

Und tatsächlich bekommt man mit dem Ruhestand von dem kleinen Familienunternehmen, für das ich arbeite, einen Rentnerausweis, der unter anderem zum Besuch der Kantine berechtigt. In den anderen Standorten fällt das nicht so auf, aber hier, in der Münchner Innenstadt, wohnen viele altgediente Mitarbeiter in den Mietswohnungen, die nach dem Krieg direkt neben dem Stammhaus aufgebaut wurden – und damit eben nur einen kleinen Spaziergang vom ehemaligen Arbeitsplatz entfernt.

Auch das vermittelt ein sehr familiäres Gefühl – wenngleich wir dank einer guten Zentralheizung nicht so dicht zusammenrücken müssen, wie die Großfamilie im Münsterland.