Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Category : In und um Moosburg

Auf nach Franken

Am ersten Juli hat unsere Abteilung entgültig die angemieteten Büroräume am Franz-Josef-Strauß-Flughafen verlassen. Eigentlich war das überfällig, denn im Münchner Süden stehen firmeneigene Büros in Massen leer – aber totgesagte leben bekanntlich länger und so hat sich diese Kostenreduktionsmaßnahme nicht Wochen sondern Jahre hingezogen.

Von Moosburg aus ist’s zum Flughafen nur ein Katzensprung – nach Perlach dauert’s im Berufsverkehr dagegen über eine Stunde. Privat wollte ich auf keinen Fall in den Münchner Süden umziehen. Also habe ich bei meinem Boss das Thema “Versetzung an den Standort Erlangen” neu auf die Tagesordnung gesetzt. Und diesesmal war er endlich überzeugt, daß das eine gute Idee ist.

Damit war also klar, daß ich zum Geschäftsjahreswechsel (und dem Ablauf meiner Kündigungsfrist für die Wohnung in Moosburg) ab dem 1. Oktober in Erlangen arbeiten würde. Die Frage war nur noch, wo ich wohnen sollte?

Pulverisiert

Ganzer Bogen - vor und nach dem Einölen Aufhübsch-Arbeiten – das klingt so niedlich. So als müsse man da gar nicht viel machen. Die Realität sieht anders aus. Ich habe mich langsam von 60er Schleifpapier über 80er und 120er zum 160er vorgearbeitet und trotzdem hat der Bogen noch eine Menge winzig kleiner Macken.

Aber damit kann ich bei meinem Erstling leben. Die Oberfläche ist nach zwei Stunden Schleifarbeit für mich ausreichend glatt. Und jetzt wollte ich endlich wissen, wie sich das Schaftol auswirkt. Der Effekt ist enorm. Hatte das Hickory vor der Behandlung noch den Charm von Bauholz für Verschalungen hat es jetzt einen angenehm warmen dunklen Braunton angenommen. Und die Sauerei mit dem Öl hielt sich auch in Grenzen.

So, heute Abend kommt Norbert vorbei – dann messen wir den Bogen noch einmal aus – ich fürchte ja, er ist immernoch zu stark. Dann werde ich ihn noch einmal abschleifen müssen…

Farbunterschiede durch dunkles Schaftol

Bogenbaukurs – ausführlich

Gestern war ich einfach zu faul müde, um einen ausführlichen Bericht über den Bogenbaukurs zu schreiben. Dabei verdient die Geschichte einen ausführlicheren Text.

Charly (“Wir Bogenschützen duzen uns untereinander…“) hat seine Werkstatt in Fischerhäuser, einem kleinen Flecken zwischen München und Freising, nicht weit vom Flughafen. Hier hält er seine Bogenbaukurse ab – kaum 500m entfernt von einem Bogenschießstand. Die Kellerwerkstatt bietet Platz für bis zu sieben Bogenbauschüler – aber wir hatten Glück. Eigentlich wollte ein Abiturient an diesem Wochenende einen Privatkurs nehmen (er schreibt eine Physik-Hausarbeit über Bögen). Und weil Stella nicht an jedem Wochenende Zeit hat nach München zu kommen, hat Charly uns kurzerhand dazugenommen. Damit sind wir nur zu dritt und entsprechend viel Zeit kann sich unser Lehrer für jeden von uns nehmen.

Charlys Werkstatt

Der Keller in Fischerhäuser bietet Platz für Charlys Holzsammlung – er ist spezialisiert auf hochwertigen Bambus, den er bei anderen Bogenbauern gegen schwer erhältliche Hölzer eintauscht. Vergleichsweise gewöhnliche Hölzer kauft er aber auch selber. Und so groß seine Sammlung an Bogenhölzern in diesem Keller ist, so groß ist auch seine Auswahl an Rohlingen. Stella entscheidet sich für einen sehr schönen aus einer Kombination aus Hickory und amerikanischer Kirsche, für mich kommt (schon wegen meiner Größe) nur ein sehr langer Rohling aus Hickory in Frage.

Im ersten Schritt werden die Rohlinge in der Breite symetrisch gehobelt. Dabei müssen wir sehr vorsichtig arbeiten – Jede abgehobelte Faser bedeutet später weniger Kraft – und in der Breite macht sich das Entfernen von Material acht mal stärker bemerkbar als in der Dicke (“Damit bin ich nicht ganz einverstanden – in der Praxis hat sich gezeigt, daß das Verhältnis eher eins zu sechs ist.“).

Holz dehnt sich leichter, als daß es gestaucht wird. Die Bauchseite des Bogens (also die, die zum Schützen zeigt) wird also stärker belastet als der Bogenrücken. Deshalb wird der Bogenrücken an den Seiten abgerundet – so nehmen wir unnötiges Material weg – und weniger Material bedeutet in diesem Fall schnellerer Bogen.

In der Mitte haben die Rohlinge bereits ein deutlich dickeres Stück aufgeleimt. Aus dem arbeiten wir jetzt unter viel Fluchen mit Raspeln den Griff heraus. Und an die Schenkelenden kommen noch die Sehnenkerben.

Jetzt wird zum ersten mal die Bogenbauersehne aufgespannt und wir beginnen mit dem “Tillern” – dabei wird der künftige Bogen leicht gespannt und nur mit dem Augenmaß (naja – und bei Bedarf auch mit kleinen Hilfsmitteln) geprüft, wo sich die Bogenschenkel gut biegen, und wo sie recht steif sind. Die steifen Stellen werden mit Zieheisen, Raspel und Hobel leicht ausgedünnt, um sie flexibler zu machen. Ziel ist, daß die Bogenschenkel über die gesamte Länge gleichmäßig arbeiten, und nicht eine Stelle besonders viel Dehnung leistet, während die andere sehr starr bleibt.

Und das dauert seine Zeit – aufspannen, prüfen, steife Stellen markieren, abspannen, hobeln, wieder aufspannen und wieder von vorne. Nach ein paar Stunden sind unsere Bögen endlich so gut bearbeitet, daß die Schenkel über die gesamte Länge gleichmäßig arbeiten.

Normalerweise wäre der Bogen jetzt fertig. Aber weil Stella und ich unsere Bögen im LARP einsetzen wollen, müssen wir sie noch schwächen (im Liverollenspiel schießen wir mit Sicherheitspfeilen aufeinander – allerdings dürfen die Bögen dort ein Zuggewicht von 25-30lbs nicht überschreiten). Deshalb hobeln wir jetzt über die gesamte Länge der Schenkel Holz von den Schenkelbäuchen ab – bis wir unser gewünschtes Zuggewicht erreicht haben. Dann noch die Sehne drauf – und nach zwölf Stunden Arbeit sind unsere Bögen fertig (naja – ich habe etwas länger gebraucht, weil mein Hickory sehr widerborstig war).

(Ausführlichere Bogenbau-Anleitungen finden sich im Internet, zum Beispiel hier.)

Charly erklärt während der ganzen Zeit unglaublich viel, erzählt aus der Geschichte des Bogenbaus, zeigt verschiedene Bogen-Beispiele aus seiner Sammlung. Hin und wieder macht er Abstecher in recht amüsante Episoden aus seinem Leben ganz abseits von Bogenbau und Bogensport.

Sonntag in der prallsten Mittagssonne können wir unsere selbstgebauten Bögen endlich auf dem nahen Schießstand ausprobieren. Stella ist ein Naturtalent und trifft sofort – meine Fähigkeiten… haben Verbesserungspotential :-) Den Sonnenbrand, den wir beide uns geholt haben, spricht jedenfalls dafür, daß wir ganz schön viel Zeit auf dem Schießplatz verbracht haben.

Jetzt müssen wir unsere Bögen nur noch verschönern, noch einmal mit Sandpapier die Unebenheiten entfernen und vor allem gegen Feuchtigkeit einölen (“Schaftöl aus dem Gewehrbedarf – das beste, was es für Bögen gibt.“).

Ich habe mir jedenfalls schon vorgenommen, nach dem “Kinderbogen” im Herbst noch einen zweiten richtigen Bogen mit mehr Zugkraft zu bauen. Bogenschießen beruhigt ungemein.

Auf der Pirsch

Stella ist heute Morgen um 4Uhr nach Krefeld aufgebrochen – ich kann gar nicht beschreiben, wie angenehm frisch die Luft um die Uhrzeit ist – und wie ruhig. Also habe ich mir den Langbogen geschnappt, einen Pfeil und hab’ die Felder vor Moosburg unsicher gemacht.

Der Pfeil ist mit einer speziellen Fangspitze versehen. Die verfängt sich in langen Grashalmen und sorgt für einen Überschlag – eine sehr nützliche Sache, denn Pfeile mit normaler Spitze schießen gerne waagerecht in das Gras und sind dann unglaublich schwer unter der Grasoberfläche wiederzufinden.

Und so ging es dann die Feldwege entlang – eine Blume oder ein paar Kornhalme am Wegrand in’s Visier nehmen, schießen, knapp verfehlen, dem Pfeil hinterherlaufen, neues Ziel suchen. Das ist (im Gegensatz zu gewissen texanischen Bräuchen, zu denen ein gewisser Exil-Düsseldorfer nicht müde wird seine Gäste zu überreden) eine sehr ruhige und entspannende Art, den Sonnenaufgang mitzuerleben.

Das Reh im Getreidefeld schien meine Schießkünste eher amüsiert zu betrachten – es schien genau zu wissen, daß ich bei meinem derzeitigen Zielvermögen eher eine Gefahr für mich selber als für irgendjemand anderen darstelle. Ich arbeite daran… hmmm… Rehkeule zum Frühstück…

Raspel, Hobel, Feile

An meiner Armbrust war ja der Bogen gebrochen. Für solche Fälle ist Charly der richtige Mann. Charly, Jahrgang ’48, hat eine Zeit im Nationalkader der Bogenschützen geschossen und verdient heute sein Geld mit Bogenbau – sein Spezialgebiet sind Bögen aus Bambus. Und daraus konnte er mir auch sehr fix einen Ersatzbogen bauen.

Dabei kamen wir in’s Gespräch und da habe ich Stella und mich spontan für dieses Wochenende zu einem Bogenbaukurs bei ihm angemeldet.

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Nach gut 12 Stunden feilen, hobeln, raspeln, fluchen, schleifen, messen und wieder hobeln ist Stella stolze Besitzerin eines handgefertigten Bogen aus Kirschholz-Hickory und ich Besitzer eines Hickory-Langbogen mit 2,10m Schenkellänge.

Sooo… das nächste Live kann kommen.

Lübecker Hochzeit

Ich bin gerade zurück aus Lübeck. Timo und Katja haben geheiratet – das macht den gemeinsamen Umzug nach Zürich sicher leichter. Wobei seit vergangenem Freitag für Bewohner der alten EU-Staaten erheblich leichter geworden ist, in der Schweiz zu arbeiten – zumindest für ein Jahr. Ob die Eidgenossen diese großzügige Handhabe der Arbeitserlaubnis beibehalten bleibt abzuwarten.

Aber zurück zur Hochzeit – die kirchliche Trauung fand in der St. Matthaei-Kirche, nahe der Altstadtinsel, statt – eine wirklich schöne Zeremonie. Und weil wir uns unmittelbar vor dem Gottesdienst eingesungen haben, war dann während der Zeremonie nicht nur die Orgel zu hören.

Die eigentliche Feier war eine runde Sache – mal abgesehen vom DJ, der eher… unteres Mittelmaß war. Seine Anmoderationen haben mich an eine furchtbar schlechte Dorfdisco erinnert und wieso er davon überzeugt war, daß bestimmt viele Gäste tanzen würden, wenn er die Musik so laut aufdreht, daß einem auch an den hinteren Tischen fast das Trommelfell herausfällt, erschließt sich mir nicht. Ich traue mich das zu schreiben, weil er kein Bekannter von Katja und Timo war, sondern den beiden empfohlen worden war.

Dafür waren die Hochzeitsspiele ganz nett, das Essen klasse und wir haben uns wirklich gut mit einigen alten und neuen Bekannten unterhalten. Katjas Vater hat eine ganz fabelhafte Rede gehalten (oder besser gesagt, eine Bedienungsanleitung für seine Tochter vorgetragen). Oh – und ich konnte Timo zu später Stunde zu Square-Lips überreden :-)

Timo und Niels beim Square Lippen

Neue Brille

Meine neue Brille ist fertig…

Neue Brille

Ja, ich weiß schon… ich könnte ja auch mal lächeln, wenn ich mich selber fotografiere. Aber es ist wirklich spät und ich bin müde…

Heldentage

Es ist gut im Freundeskreis eine Comicbuchhändlerin zu haben, deren Laden zwar im 60km entfernten München liegt, die aber in der Nachbarschaft wohnt, und von der man sich den neuesten Stoff nach Feierabend direkt abholen kann.

Es ist wirklich gut, daß es in Moosburg, nur ganz wenig Straßenverkehr gibt und man deshalb auf dem Heimweg schon im neuesten Comic schmökernd nicht unter die Räder kommt (dabei bewegt man sich dann allerdings wellenmäßig schnell – langsam – schnell – langsam; langsam unter einer der wenigen Straßenlaternen, schnell in dem Schatten bis zur nächsten).

Heldentage und eine gute Tasse Tee

Und so richtig richtig gut sind die Heldentage von Flix – sowohl vom Inhalt, der viele mir bisher nicht bekannte Strips enthält, als auch von der Aufmachung (obwohl ich mich wirklich frage, ob Flix den großen Rand um die Strips für Notizen von Schülern vorgesehen hat, die seine Werke im Deutschunterricht durchnehmen werden, sobald Flix endlich den literarischen Status eines Hans Magnus Enzensbergers erreicht hat).

Hmm… wann Flix wohl mal wieder nach Süddeutschland kommt? Dieses Buch würde ich mir doch auch gerne signieren lassen.

Letzter Tag

Square-Mouth

Morgen fährt Stella heim – Grund genug noch einmal die Gegend unsicher zu machen und ein wenig an der Amper entlangzuwandern. Getreu Andreas versuche ich sie mittels “square lips” von meiner kulturellen Überlegenheit zu überzeugen – leider kontert sie (als Exil-Bayerin immernoch heimatverbunden) mit dem gefürchteten bayuwarischen Augendreher. Mist. Und ich war so dicht dran.

Stillhalteabkommen einseitig gebrochen

Angsthase Ich mußte heute morgen feststellen, daß S. aus K. einseitig und entgegen sämtlichen Vereinbarungen einseitig das Süßigkeiten -Stillhalteabkommen gebrochen hat. Der in der Speisekammer entdeckte Schokoladenhase in braun (besondere Merkmale: weißer Fleck auf dem rechten Ohr) befand sich offensichtlich in einem tief traumatisiertem Angstzustand – ein beklagenswertes erstes Opfer des gebrochenen Ostergeschenke-Moratoriums.

Sofortige Vergeltungsmaßnahmen mußten für den Augenblick ausbleiben. Aber wartet nur ab, der nächste 6. Dezember kommt bestimmt.