Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Category : Umzug Feb’06

Erstes Umzugswochenende

Das war doch einmal ein wirklich produktives Wochenende. Insgesamt habe ich sieben mal meinen Volvo vollgeladen und dabei etliche Kartons, Kleinkram, die Esszimmer-Stühle, die drei kleinen Wohnzimmer-Sessel und diverse Instrumente in unser neues Heim geschafft.

Das dumme an der Sache ist: Ich denke wirklich, ich hätte viel geschafft. Dabei war das bestenfalls ein Zehntel von dem , was rübergefahren werden muß. Kommendes Wochenende geht’s weiter.

Dreckige Treppenhauswände

Während ich abends ein paar Umzugskartons in’s Auto schaffe, fängt mich meine 83-jährige Vermieterin ab.

Herr Görz. achten Sie darauf, daß die Haustür vernünftig schließt.

Mache ich.

Und wie die Wände im Treppenhaus wieder aussehen.

Was möchten Sie mir damit sagen?

Ja, die ganzen Flecken und Macken. Das sieht doch unmöglich aus.

Da gebe ich Ihnen Recht. Und weiter?

Ja, der Verursacher muß das ausbessern oder neu streichen.

Gut, dann kann ich das nicht sein – denn ich habe gerade erst angefangen mit dem Umzug, noch dazu mit den Kartons. Die Schleifspuren an den Wänden stammen dagegen von langen Gegenständen. Und die stehen alle noch in meiner Wohnung.

Allerdings erinnere ich mich noch recht gut, daß meine Vermieterin sich wenige Wochen, nachdem der Flur frisch gestrichen war, bei mir über die damaligen Mieter im 3. Stock beklagt hat, die bei ihrem Umzug die frisch gestrichenen Wände ruiniert hätten.

Ihnen fällt auch immer eine Ausrede ein!

Sprach’s und stapfte die Treppe hoch. Gut, daß wir bald ausziehen…

Stromableser

Vor der Wohnungstür treffe ich heute morgen auf unsere 83-jährige Vermieterin und einen Unbekannten, der sich an den Stromzählern im Flur zu schaffen macht. Es wiederholt sich das übliche Ritual: Ich grüße bemüht freundliche, meine Vermieterin antwortet eher widerwillig.

Einen Treppenabsatz tiefer ruft sie mir dann hinterher, ob ich denn keine Postkarte bekommen hätte. Wie bitte? Ja, ich müsse schon meinen Zähler ablesen und das dann den Stadtwerken melden. Mir dämmert, worum es geht. Aber da meine Vermieterin jetzt erst richtig in Fahrt kommt, wende ich mich direkt ihre Begleitung. Und richtig, er ist ein Angestellter der Stadtwerke. Aber als er in seine Unterlagen schaut, fehlt ihm nicht mein Zählerstand, sondern der von zwei anderen Bewohnern im Haus.

Ich verabschiede mich also, nicht ohne meine Vermieterin noch einmal darauf hinzuweisen, daß ich meinen Zähler im Herbst abgelesen und die Daten weitergereicht hätte. Darauf ruft sie mir erbost hinterher, das habe sie ja nicht wissen können.

Stimmt – konnte sie nicht. Aber ihr Vermutungen reichten aus mich erst einmal anzublaffen. Gut, daß wir bald ausziehen…

Einen Abend alleine

5. Dezember – Nikolaus-Abend. Und weil der Nikolaus auch bei den Vermietern der Doppelhaushälfte, mit der alles in’s Rollen kam, zu Besuch ist, bekommen wir den Schlüssel und dürfen ein zwei Stunden alleine durch das Haus laufen.

Die Küche dürfen wir behalten, wenn wir mögen

Die Küche dürfen wir behalten, wenn wir mögen – oder der Vermieter reißt sie raus, falls wir eine eigene mitbringen möchten. Na, die nehmen wir doch gerne.

Das Badezimmer hat Dusche und Wanne

Das Bad ist riesig und hat Eckwanne und Dusche.

Ein Wehrmutstropfen: Eines der beiden Zimmer im 1. OG ist ein Durchgangszimmer mit Treppe zum ausgebauten Dachboden.

Zur Abwechslung ein Reihenmittenhaus

Also noch eine Alternative. Wobei das Telefonat ziemlich abschreckend war wenig Grund zur Begeisterung gab. Die aktuellen Mieter suchen einen Nachmieter, der ihnen all die tollen Dinge ablöst, die sie in die Wohnung investiert haben.

Aber erst einmal zu dem Haus selber. Es liegt in der Moosburger Neustadt, einem Viertel, das nach dem Krieg rund um das ehemalige Kriegsgefangenenlager STALAG VII A entstand. Aus den 50ern dürften auch die Reihenhäuser stammen, die hier dicht an dicht stehen und nur Platz für eine schmale Gartenparzelle lassen, die zu allen Seiten gut einsehbar ist.

Ursprünglich dürfte jedes Reihenhaus für zwei Wohnparteien gedacht gewesen sein, der Dachboden als Speicher und Trockenraum. Entsprechend ist das Treppenhaus nicht Bestandteil der Wohnungen. Auf jeder Etage gibt es stattdessen eine Wohnungstür zum Treppenhaus, wodurch die Stockwerke vollkommen von einander seperiert werden. Die jetzigen Mieter haben Erdgeschoss und 1. Stock zu einer Wohnung zusammengefaßt, den Dachboden ausgebaut und dann untervermietet.

Corinna ist nicht begeistert

Gleicher Mietpreis, 3000,-Euro Ablöse für ein Gartenhaus, eine Kücheneinrichtung, ein etwas windig gezimmerten begehbaren Kleiderschrank und ein paar Regale für insgesamt viel weniger Wohnlichkeit als in dem Sparkassen-Angebot? Neeee…

Alter Traum

Freitag und Samstag waren… nun ja… unschön. Wir haben ziemlich mit unserer Entscheidung herumgestöpselt, ob wir nun die DHH nehmen sollen, oder nicht. Donnerstag waren wir gemeinsam mit der Maklerin noch einmal drin und haben Freitag telefonisch die Zusage bekommen, daß die Vermieter mit unseren finanziellen Vorstellungen einverstanden sind. Also alles in Butter? Nicht ganz. Denn dann ging die Diskussion erst richtig los. Sollen wir wirklich? Und wie geht das mit Corinnas Kur zusammen, die sie am 20.12. antritt?

Nach einigen Diskussionen (und auch dem einen oder anderen harten Wort) waren wir am Ende beide entnervt und verwirrt – und sind am Ende doch auf eine brauchbare Vorgehensweise gekommen: Erst einmal Samstag abend kündigen (damit uns der Dezember noch komplett auf die Kündigungsfrist angerechnet wird) und dann noch einmal andere Mietangebote vergleichen, bevor wir den Mietvertrag für die DHH unterzeichnen. Diese Entscheidung hob unsere Laune beträchtlich.

Warum eigentlich die Zweifel? Im Sommer hatten wir uns eine andere DHH angesehen. Die wurde von einem Architekten vermietet und schien perfekt. Hell, geräumig, vor allem die Raumaufteilung war sehr pfiffig gelöst, hohe Decken und auch noch ein Niedrig-Energiehaus.

Für uns war es das Haus schlechthin. Aber die Miete wäre horrend gewesen und der Architekt hat nicht mit sich handeln lassen. Schade eigentlich. Denn damals hatte der Vermieter auch einen recht netten Eindruck gemacht. Bei unserer Mietsuche jetzt mußte sich also jedes Angebot mit unserer Erinnerung an dieses Architekten-Haus messen.

Und was finden wir heute im Immobilien-Teil der Moosburger Zeitung? Eben genau das Haus. Read More…

Einfach so, ganz spontan

Herr Grund ist einer der Moosburger, mit denen ich schon sehr früh Bekanntschaft gemacht habe. Tag für Tag wandert dieser Mann stets gut gelaunt durch die Stadt und achtet mit wachsamen Augen, daß auch ja niemand die erlaubte Parkzeit überschreitet. Unsere Wohnung liegt direkt im Ortskern – gratis parken darf man hier unter der Woche nur von 18 bis 8Uhr. Sonst gibt’s von Herrn Grund ein Knöllchen. Oft wandert er aber auch nicht vorbei, hat vielleicht seinen freien Tag oder Innendienst. Und immer, wenn ich darauf spekuliere, hängt wieder ein Überweisungsformular am Scheibenwischer.

Seit Oktober haben sich drei davon angesammelt – und weil die Stadt mir schon mit Vollstreckung drohte, habe ich mir heute morgen die Zeit genommen und bin zur Stadtkasse getingelt. Und weil ich schon mal gerade da war, bin ich aus dem Rathaus heraus gleich in die gegenüber gelegene Sparkasse marschiert. Meine Schwester Mareke hatte vor Jahren einmal eine Wohnung direkt von der Sparkasse gemietet und dabei ziemliches Glück, was die Renovierungsarbeiten anging. Vielleicht, dachte ich, haben die ein interessantes Angebot. Denn gerade jetzt im Winter ist unsere Wohnung sehr sehr unschön.

Leider vermietet die Sparkasse Moosburg keine eigenen Objekte, tritt aber gelegentlich als Makler auf. Das Angebot war zwar etwas mager, aber eine Doppelhaushälfte in Moosburg klang so interessant, daß ich einfach mal dran vorbeigefahren bin. Und wie ich so um das Haus herumgehe, treffe ich die Ehefrau des Vermieters. Sie ist nett und zeigt mir spontan die Räume (obwohl ich mit der Maklerin schon einen Besichtigungstermin für morgen vereinbart habe). Sieht wirklich nett aus…

Morgen nachmittag schaue ich mir das Haus mit Corinna an.