Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Archive for November, 2005

Einfach so, ganz spontan

Herr Grund ist einer der Moosburger, mit denen ich schon sehr früh Bekanntschaft gemacht habe. Tag für Tag wandert dieser Mann stets gut gelaunt durch die Stadt und achtet mit wachsamen Augen, daß auch ja niemand die erlaubte Parkzeit überschreitet. Unsere Wohnung liegt direkt im Ortskern – gratis parken darf man hier unter der Woche nur von 18 bis 8Uhr. Sonst gibt’s von Herrn Grund ein Knöllchen. Oft wandert er aber auch nicht vorbei, hat vielleicht seinen freien Tag oder Innendienst. Und immer, wenn ich darauf spekuliere, hängt wieder ein Überweisungsformular am Scheibenwischer.

Seit Oktober haben sich drei davon angesammelt – und weil die Stadt mir schon mit Vollstreckung drohte, habe ich mir heute morgen die Zeit genommen und bin zur Stadtkasse getingelt. Und weil ich schon mal gerade da war, bin ich aus dem Rathaus heraus gleich in die gegenüber gelegene Sparkasse marschiert. Meine Schwester Mareke hatte vor Jahren einmal eine Wohnung direkt von der Sparkasse gemietet und dabei ziemliches Glück, was die Renovierungsarbeiten anging. Vielleicht, dachte ich, haben die ein interessantes Angebot. Denn gerade jetzt im Winter ist unsere Wohnung sehr sehr unschön.

Leider vermietet die Sparkasse Moosburg keine eigenen Objekte, tritt aber gelegentlich als Makler auf. Das Angebot war zwar etwas mager, aber eine Doppelhaushälfte in Moosburg klang so interessant, daß ich einfach mal dran vorbeigefahren bin. Und wie ich so um das Haus herumgehe, treffe ich die Ehefrau des Vermieters. Sie ist nett und zeigt mir spontan die Räume (obwohl ich mit der Maklerin schon einen Besichtigungstermin für morgen vereinbart habe). Sieht wirklich nett aus…

Morgen nachmittag schaue ich mir das Haus mit Corinna an.

Keine Umstände, bitte

Gestern Abend klingelt das Telefon. Ein Freund erklärt mir lang und umständlich, daß mir jemand eine Email geschrieben hätte, an welchem Wochentag und Datum, um welche Uhrzeit ich sie bekommen haben müßte, daß ich die eigentlich doppelt haben müßte, weil ich sie ja noch einmal weitergeleitet bekommen hätte, und daß…

Nach vier Sätzen tappe ich immernoch im Dunkeln, worum es eigentlich geht und was von mir erwartet wird. Damit hat der Anrufer den Punkt erreicht, an dem ich ziemlich zappelig werde. Habe ich schon erwähnt, daß Geduld nicht gerade zu den Tugenden gehört, die ich spielerisch beherrsche?

Passend dazu ging’s gestern morgen im Radio um Arbeitnehmer jenseits der 50. Dabei wurde hervorgehoben, daß denen gemein sei, nicht mehr so schnell zu sein, sie dafür aber als unschätzbaren Vorteil hätten, selbst komplizierte Sachverhalte aufgrund ihrer hohen Erfahrung auf das wesentliche reduzieren zu können. Manchmal wünsche ich meinen Mit-25-35ern ein wenig mehr von dieser Fähigkeit.

Ich arbeite in einer Stabstelle in der als Kompetenz erwartet wird, Dinge knapp und klar darzustellen. Wenn es dann auch noch leicht verständlich sein soll, nennen wir das liebevoll “Management-Summary”. Details werden auf Backup-Folien am Ende einer Präsentation bereitgehalten, aber nur auf Wunsch oder Nachfragen gezeigt.

Wenn ich so darüber nachdenke… heißt das, daß ich in meiner Freizeit am liebsten auf Powerpoint-Foliensatz-Niveau kommunizieren würde? :-D

Wrummm…

Leider habe ich meine Kamera nicht immer zur Hand. Aber zum Glück gibt es ja andere, die gerne Photos schießen und sie auch teilen. Die Stadtverwaltung Pforzheim zum Beispiel ist technisch gesehen wirklich auf dem letzten Stand. Bilder werden auf Wunsch zugesandt – per Email. Und so komme ich in den Genuß dieses künstlerisch sehr wertvollen Photos:

Wrumm...

Dieser Schnappschuß konnte übrigens nur entstehen, weil auf der A8 ein Stau war und mich modernste Technik im Mietwagen automatisch auf eine Ausweichroute durch Pforzheim gelotst hat. Toll, was so ein Navigationssystem alles kann. Gut – bewerben kann ich mich mit dem Bild nicht. Aber ich finde 15Euro einen akzeptablen Preis für einen Photographen, der sich extra die Mühe macht unter der Woche nachts gegen halb zwölf bei ungemütlichem Wetter an der Straße zu stehen.

Was? Ach so… ja… ich bin tatsächlich mit 8km/h zuviel etwas flott unterwegs gewesen.
Merke: nicht nur in Paderborn wird kontrolliert.

Familienessen

Im Münsterland entdecken sie gerade die Großfamilie wieder, sagen sie im Radio, denn durch den Stromausfall lernen die Kinder und Enkel die entscheidenden Vorteile eines Holzofens in der Küche der Großeltern schätzen. Der Reporter schwärmt von Bildern wie in alten Zeiten.

In München ist man dagegen Schnee gewohnt und leidet nicht unter Stomausfall – aber Familienessen gibt es hier trotzdem. Ich bin heute mal wieder im Stammhaus in der Münchner (ein Münchner würde niemals Münchener sagen) Innenstadt. In der Kantine fallen mir etliche Menschen auf, die ganz sicher (trotz aller Renten-Eintrittsalter-Verschiebungen) nicht mehr am aktiven Berufsleben teilnehmen.

Und tatsächlich bekommt man mit dem Ruhestand von dem kleinen Familienunternehmen, für das ich arbeite, einen Rentnerausweis, der unter anderem zum Besuch der Kantine berechtigt. In den anderen Standorten fällt das nicht so auf, aber hier, in der Münchner Innenstadt, wohnen viele altgediente Mitarbeiter in den Mietswohnungen, die nach dem Krieg direkt neben dem Stammhaus aufgebaut wurden – und damit eben nur einen kleinen Spaziergang vom ehemaligen Arbeitsplatz entfernt.

Auch das vermittelt ein sehr familiäres Gefühl – wenngleich wir dank einer guten Zentralheizung nicht so dicht zusammenrücken müssen, wie die Großfamilie im Münsterland.

Wetterfühligkeit

Mein lieber Schwan. Wenn ich mir die (wirklich guten) Sommerreifen so anschaue, die ich gerade erst im Frühjahr für meine sauffreudige schwedische Lady meinen Volvo gekauft habe, dann muß ich wirklich sehr viele Kilometer gefahren sein.

Seit gestern hat mein Auto Winterbereifung. Und prompt schneit es heute morgen. Ich mag den Winter nicht – das heißt, eigentlich mag ich ihn gerne. Aber ich mag ihn nicht mehr, seit ich in meiner jetzigen Wohnung in Moosburg lebe. Die hat alte Doppelfenster, die sofort anlaufen und mehrmals täglich lüften notwendig machen. Und weil wir unsere Wäsche in der Wohnung zum Trocknen aufhängen müssen – was mehr als ungemütlich ist.

Insgesamt kann ich mich aber nicht beklagen. Denn während Björn (der Shopblogger) von seinen Leseren eine veritable Winterdepression diagnostiziert wird und es Michael aus Moosburg nicht viel besser zu gehen scheint, genieße ich als Angestellter den Luxus, jetzt im Winter auch mal von daheim aus zu arbeiten, bei Marzipankartoffeln und einer heißen Tasse Tee. Da wirken meine Beschwerden wegen angelaufener Fenster und Wäscheständern im Zimmer auf einmal sehr klein.

Trotzdem – ich beneide Andreas, der seinen ersten Winter in Texas verbringt und sich die Sonne auf den Pelz braten läßt.

Speicherhunger

“Burkhaaaard?”

“Was gibt’s denn, Alter?”

“Wenn ich bei WoW in eine Stadt komme, rödelt die Festplatte wie verrückt und das Bild friert immer wieder ein…”

“Ja… Keule… RAM kaufen.”

“Speicher? Ich dachte, eine neue Grafikkarte…?”

“Ne, die bringt nix. Die Anforderungen an die Grafikkarte sind gar nicht so hoch. Aber unter einem Gigabyte RAM kann man das kaum spielen.”

Und? Natürlich hat Burkhard recht. Also ab zum Händler meines Vertrauens und einen zusätzlichen 500MegaByte Speicher eingekauft. Und siehe da: jetzt klappt’s auch mit World of Warcraft.

Hmmm – dabei fällt mir ein, daß ich seit über zwei Jahren (abgesehen von dem Netzteil) keine Hardware-Komponenten an meinem Rechner ausgetauscht habe. Das kommt auf meine ToDo-Liste für kommenden Sommer.

Warum eigentlich T-Online?

Ich geb ja zu – so richtig zufrieden war ich nach dem letzten Umzug mit der Telekom nicht – schon gar nicht mit deren damaliger Tochter T-Online. Aber – mein Internet-Anschluß lief nach drei Monaten tatsächlich sehr stabil. Nun hört Corinna gerne Internet-Radio und seit letzter Woche daddeln wir beide World of Warcraft – beides frißt Bandbreite und sorgt für hohes Transfervolumen. Und so richtig attraktiv war mein alter T-Online-Vertrag mit 1,5GByte Transfervolumen bei 750kbit Bandbreite schon lange nicht mehr (schließlich sind die Preise in den vergangenen zwei Jahren gewaltig gepurzelt).

Jetzt habe ich mich auf das Abenteuer 1und1 eingelassen. Bin ja schwer gespannt, ob der Umzug klappt oder ob wir bald wieder drei Monate ohne Netz dasitzen…

Kabelsalat

Und noch so eine Sache, die ich eigentlich schon seit dem Einzug machen wollte. Wir wohnen im 2. Stock. Über uns liegt der Dritte und dann kommt schon der Dachboden. Und auf dem Dach ist die Sat-Schüssel montiert, ein richtig edles Ding mit Highband, Lowband, vertikalem und horizontalem Frequenzblock. Und weil der Multischalter auch auf dem Dachboden steht, muß pro angeschlossenem Sat-Reciever ein Antennenkabel zu eben diesem Multischalter geführt werden.

Nun haben wir nur ein Kabel (was schon allein ärgerlich genug wäre) – das ist aber leider nur von minderer Qualität und dazu noch geflickt. Auf dem langen Weg vom Dachboden über ein Rohr in den Keller, quer durch den Keller und dann wieder durch ein weiteres Rohr in unsere Wohnung geht also die Signal-Qualität derart flöten, daß digitaler Satelliten-Empfang nur stark eingeschränkt möglich ist (das heißt, die auf die ganzen ARD-Programme müßten wir verzichten). Daß dem so ist, habe ich natürlich erst festgestellt, nachdem ich den neuen digitalen Reciever gekauft und aufgestellt hatte.

Nun bin ich ja hartnäckig und die Leerrohre für die Kabel scheinen einen außreichenden Durchmesser zu haben. Da war natürlich sofort der Traum da, gleich zwei neue Antennenkabel zu ziehen. Also 200m Antennenkabel bestellt, einen Ziehdraht besorgt und los geht’s. Aber schon die Strecke Dachboden-Keller hat ihre Tücken. Ausgerechnet auf dem letzten halben Meter macht das Rohr in der Wand einen gemeinen Knick – und der stellte sich für das Antennenkabel als unüberwindbares Hindernis heraus.

Um wenigstens auf irgendein taugliches Ergebnis zu kommen, dachte ich mir, jetzt legst Du wenigstens ein Netzwerkkabel in den Keller, dann kannst Du wenigstens den lauten Server aus der Wohnung verbannen. Und was stellt sich raus? Auch das Leerrohr von unserer Wohnung in den Keller hat einen Knick und an dem kommt nicht mal der Ziehdraht vorbei.

ARGH!!!

Aber man muß das ja positiv sehen: für den nächsten Umzug habe ich 200m Antennenkabel (beste Qualität), 100m Netzwerkkabel und einen digitalen Sat-Reciever auf Lager.

Wasser ist zum Waschen da…

Und als ich dann zum dritten mal im Baumarkt einlief, schaute mich der Sanitärabteilungs-Fachverkäufer sehr seltsam an.

In unserer Küche liegt nur eine Kaltwasserleitung. Da spart man sich natürlich gerne den Abwasch und läßt die Spülmaschine die Arbeit erledigen. Aber so ganz ohne warmes Wasser ist die Küchenarbeit auf Dauer einfach Mist. Nun steht schon seit einigen Monaten ein gebrauchter Warmwasserboiler auf dem Küchenschrank (sehr zu Corinnas Verdruß denn dort sieht er erstens häßlich aus und ist dort zweitens absolut nutzlos). Und weil ich gestern Abend nichts besseres zu tun hatte, dachte ich mir, jetzt montierst Du den mal schnell.

Dabei habe ich die alles entscheidende Regel außer acht gelassen: Heimwerken geht nie nie nie “mal schnell”. Der Boiler arbeitet mit einem Unterdrucksystem, also mußte ich den Wasserhahn die Amatur tauschen. Die geeignete hatte ich auch gebraucht – und nachdem ich diese blöden Kupferrohre endlich passend gebogen hatte, mußte ich feststellen, daß in der Zuleitung ein Loch war.

Also heute morgen noch schnell vor der Arbeit in den Baumarkt meines Vertrauens, dort herzlich über die Preise der Edelamaturen gelacht und schließlich einen billigen kostengünstigen Einhandmischer erstanden. Und der hat dann auch noch flexible Schläuche statt Kupferrohren, was die Arbeit erheblich erleichtert. Als ich den dann heute Abend montiert hatte, stellt sich heraus – er tropft und das gewaltig. Naja – also wieder in’s Auto, eine Viertelstunde Fahrt, Amatur reklamiert, neue Amatur bekommen, eine Viertelstunde zurück, wieder montiert.

Diesesmal tropfte es nicht, es floß – in Strömen. Wieder in’s Auto, wieder zum Obi… und was erklärt mir der besagte Fachverkäufer freudestrahlend? Das sei ja auch kein Wunder, denn der Schläuche wären bei diesem (und nur bei diesem) Modell nicht geklemmt (und damit frei drehbar) sondern geschraubt. Na klasse – und warum sagt er mir das nicht gleich?

Jetzt steht die Küche von den vielen Ein- und Ausbauten mittelmäßig unter Wasser, aber aus dem Hahn fließt es endlich warm. Bleibt nur noch das stille Gebet: “Hoffentlich bleibt es über die Nacht dicht!”

Auch Katzen können Trampel sein

Ein großes häßlichen Haus – davon hat Dirk in seiner Anfahrtsbeschreibung nach Göttingen geschrieben und nicht übertrieben. Das Haus ist sehr groß (16 Stockwerke) und sehr sehr häßlich. Aber Anna und Dirks Wohnung im 6. Stock ist praktisch aufgeteilt und nett eingerichtet.

Unser Besuch bei den beiden stand ja schon lange aus – und war umso spannender, weil wir uns Ultraschallbilder angucken durften – Anna ist schwanger. Ein, wie ich finde, richtiger Schritt in Richtung qualitativer Verbesserung des menschlichen Genpools. Und die Sache hat als positiven Nebeneffekt, daß die Wohnung seit neuestem absolut rauchfrei ist :-)

Jedenfalls teilen sich Dirk und Anna die Wohnung mit den Katzen Radscha und Celine. Die beiden decken ihren täglichen Bewegungsbedarf vorzugsweise nachts und am liebsten auf dem Sofa, auf dem wir schliefen. Und je ruppiger wir sie runtergeschubst haben, desto einschmeichelnder kamen die beiden wieder angeschlichen.

Göttingen an sich finde ich als Stadt übrigens eher nervig. Während des Semesters überlaufen von Studenten, war unser kleiner Bummel durch die Innenstadt eher ein Schieben und Drängen. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob es an dem grauen Novembertag lag (eigentlich war es ja recht sonnig), insgesamt macht Göttingen einen ziemlich tristen Eindruck.

Wie wohlig also im kleinen Freundeskreis den Abend bei lustigen Kartenspielen zu schließen…

Anna und Dirk