Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Archive for September, 2006

Den Ernstfall proben

Ich sitze also gemütlich an dem mir zugewiesenen Arbeitsplatz in Wien und grübel über meiner Projekt-Definition, da heult eine Sirene im Gang. Erst ein irritierter Blick – dann meine ich (auf meine Erfahrung als Ersthelfer, Brandschutzbeauftragter, Rettungssanitäter, Feuerwehrmann, Strahlenschutzsachverständiger und Transplant-Organ-Fahrer zurückgreifend), ob wir nicht vielleicht jetzt doch das Gebäude verlassen sollten.

Mein Vorschlag wird mit der dem Wiener typischen höflich zurückhaltenden Zustimmung bedacht, da erscheint auch schon der (wie ich annehme) Brandschutzbeauftragte des Standorts und bittet doch geordnet den Parkplatz hinter dem Gebäude aufzusuchen und sich dort zu sammeln.

Spaziergang

Gemütlich schlendernd Wohlgeordnet und mit Umsicht verlassen wir also das Haus, um dann wenige Minuten später von einem Herrn mit Megaphon darauf hingewiesen zu werden, daß die gesetzlich vorgeschriebene Übung jetzt beendet sei.

Toll, was die sich alles einfallen lassen, um meinen Aufenthalt spannender zu gestalten :-D

Der Deutsche mit dem Doppelnamen

Ich hatte vor Freude Tränen, Tränen! in den Augen, als ich heute meine A-Klasse betankt habe. Diesel unter einem Euro, da müssen ja nostalgische Gefühle wach werden. Damals… als ich noch einfach so in’s Auto gesprungen bin, ohne vorher eine Kreditwürdigkeits-Bestätigung von meiner Bank einholen zu müssen, damit der gestrenge Tankwart mich ein paar Liter zapfen läßt. Damals, als ich einfach mal so ein paar Kilometer über Land gefahren bin, einfach so, ohne ein Ziel… Cruisen nannten wir das damals…

Billig tanken

Und hier in Wien tanke ich für 98cent. Wunderbar. Wie damals.

Die Übernachtung bei Lilly war (a) komfortabel und (b) ausreichend lang um auszuschlafen. Nachdem ich gestern schon um 4:45Uhr aufgestanden war, ging abends nichts mehr. 20Uhr in’s Bett – Feierabend. Für ihre Schüler bin ich übrigens “der Deutsche mit dem Doppelnamen” – mehr hat sie ihnen nicht verraten. Ich muß mal Andreas fragen, ob er in Texas auch “der Deutsche” genannt wird. Aber vermutlich heißt er da “Kraut” oder so ähnlich.

Wien steckt mitten im Wahlkampf. Am 1. Oktober wird hier gewählt, und was ich so im Radio höre ist Ausländerpolitik ein ganz heißes Thema. FPÖ und BZÖ rühren unerträglich die Populismus-Trommel. Lilly meint, daß auch unter ihren Schülern Ausländerfeindlichkeit verbreitet ist. Die Schule läge halt in einem schwierigen Bezirk.

Ob sie da nicht Probleme bekommt, wenn ich sie zur Schule fahre – ne, meint sie, ich wäre ja Deutscher und das würde nicht zählen.

Gestern haben übrigens die ersten Prüfungen zur Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft stattgefunden. Da ich nicht weiß, wann die europäischen Menschenrechte in die österreichische Verfassung aufgenommen wurde oder wann der erste Bundespräsident direkt gewählt wurde, wäre ich vermutlich direkt durchgerasselt.

Aber, wie gesagt – als Deutscher bin ich in Österreich nicht einmal Ausländer – sondern einfach nur “der Deutsche mit dem Doppelnamen”. Im Gegensatz zu Polen – da bekommt man als Deutscher nicht einmal mehr Rabatt im Zug.

Pause erlaubt

Es ist wieder einmal viel zu spät geworden – insbesondere, weil ich in weniger als fünf Stunden schon wieder aufstehen darf, um nach Wien zu fahren. Aber es hat sich gelohnt, heute habe ich nicht nur das Gefühl, ich habe wirklich viel geschafft. Vier riesige Säcke Restmüll stehen jetzt an der Straße. Es ist unglaublich, wieviel Mist sich innerhalb eines halben Jahres ansammelt. Und ich bin etwas härter geworden. Was ich im Januar noch nicht wegwerfen wollte, zieht diesesmal nicht mit um.

Außerdem habe ich einen Maler beauftragt, das Treppenhaus zu streichen. Klar, eigentlich könnte ich die ganzen schmutzigen Stellen notdürftig ausbessern. Schließlich war ich nur ein halbes Jahr in dem Haus, weißeln müßte ich frühestens nach zwei Jahren. Aber das Treppenhaus hat wirklich arg gelitten, insbesondere wegen der Aktion mit dem Kabel. Und meine Vermieter waren mehr als fair zu mir – die ganze Zeit.

Also lasse ich den Flur und das Treppenhaus jetzt streichen. Ein Profi braucht dafür nur einen halben Tag. Ich würde mir dagegen mindestens zwei Tage dafür einen abbrechen und wieviel Putz ich dabei von der Wand runterholen würde, weil ich natürlich viel zuviel Farbe nehme, steht auf einem ganz anderen Blatt.

So – und nach eingehender Prüfung komme ich zu dem Schluß, daß der Umzug weit genug vorangeschritten ist und ich mir eine Pause gönnen darf. Mittwoch und Donnerstag bin ich beruflich in Wien, und Donnerstag abend geht es dann von Wien aus in den Süden in die Steiermark auf Schicksalsdämmerung III. Sonntag abend bin ich zurück und dann ist der Rest vom Umzug dran.

Na? Hast Du nicht noch Platz für ein bißchen mehr?

Ich habe schon wieder viel zu lange nichts geschrieben. Dabei gäbe es so vieles zu berichten.

Nur kurz dieses: Der Umzug läuft seit einer Woche auf Hochtouren. Fatal ist: Am Abend bin ich müde und schau auf mein Tagwerk – ich habe viel geschafft. Und doch reicht es einfach nicht aus. Es ist unglaublich, wieviel Zeug umgezogen werden will. Und dann ist da noch der große Kleiderschrank…

Ein Umzug klappt

Ich bin beeindruckt. Die Telekom hat tatsächlich den Umzug meiner Rufnummer ohne Probleme pünktlich (sic!) auf die Reihe bekommen. Jetzt habe ich zwar noch kein Internet, aber immerhin schon einmal Telefon in der neuen Butze.

Fundstücke

Heute räume ich wieder einmal alleine herum. Nicht deswegen, weil sich niemand angeboten hätte. Michael war durchaus Willens mitanzupacken. Aber ich brauchte heute das Gefühl, viel zu schaffen – und zwar von der unangenehmen Arbeit, die ich nur alleine bewältigen kann. Im Keller gibt es einen Raum, der vollgestopft mit etlichen Kisten und anderem KrimsKrams war. Und den mußte ich selbst sortieren – eine Arbeit, vor der ich mich bis heute gedrückt hatte.

Erstaunlich, was dabei alles zu Tage kam. Zum Beispiel Unmengen an Alkoholika von Corinna, die sie bei ihrem Auszug hier vergessen hatte. Oder einige lang vermißte elektrische Geräte. Der Sack mit Elektroschrott wird derweil voll und voller. Ich hoffe, der Wertstoffhof nimmt mir die wirklich alle anstandslos ab.

Am Ende des Tages habe ich tatsächlich “nur” vier Fuhren in die neue Wohnung gekarrt. Es ist immernoch eine Autoladung im Keller. Mindestens. Aber die muß bis Morgen warten.

Helfer

Heute hatte ich eigentlich den ganz großen Umzug geplant. Daß das scheitern würde war mir eigentlich schon gestern abend klar. Denn zum einen hatte ich unter der Woche kaum etwas gepackt (was hauptsächlich den Überstunden auf der Arbeit geschuldet ist). Vor allem aber hatten mir all meine Umzugshelfer abgesagt.

Da entdeckt der eine, daß er von Natur aus einen “Bogenrücken” hat (was immer das sein soll), gleich zwei sind schwer erkältet, wieder einer muß auf einen Filmdreh für den die nächste das Buffet vorbereitet. Ja, alles gute Gründe. Aber ich stehe am Ende ohne Helfer da. Andererseits bedeuten viele Helfer auch, daß man den großen Tag X gut vorbereiten und beplanen muß, damit die Helfer nicht nur herumstehen und im schlimmsten Fall die Arbeiten verzögern. Aber vorbereitet hatte ich nicht (s.o.).

Am Ende war dann Michael da, der mir nicht nur bei den großen Möbelstücken kräftig geholfen hat, sondern vor allem sein Auto mit der Anhängerkupplung zur Verfügung gestellt hat. Corinna ist trotz Nachtschichten und bevorstehender Prüfung ganz von Nürnberg heruntergefahren um zu helfen. Carina schließlich kam nachmittags nach der Arbeit noch trotz Erkältung (sic!) vorbei.

Die Großmöbel sind jetzt zu einem guten Teil geschafft. Vor allem die Tische und das Sofa waren mir wichtig, dann noch die Betten und natürlich all die Kisten. Die Waschmaschine lasse ich bis zur letzten Woche in der alten Wohnung. Ich kann hier einfach sehr bequem die Wäsche aufhängen. Kühlschrank und Tiefkühlschrank fehlen noch und vor allem der furchtbare Riesenkleiderschrank, den nicht nur Michale am Liebsten gleich in Stücke hauen würde.

Das Mittagessen gab’s für die Helfer zum Dank im Biergarten bei warmer Herbstsonne. Na, wenigstens spielt das Wetter mit.

Saubere Straßen für Papst Benedikt

Die letzten Tage waren für mich relativ unspektakulär – das allerdings nur, weil ich meinen Bewegungsraum auf die Strecke Arbeit-Wohnung eingeschränkt habe. Man sollte gar nicht meinen, wie stark der Verkehr zwischen München und Regensburg eingeschränkt war. Eigentlich hätte ich heute lieber von daheim gearbeitet. Der Papst sollte vom Münchner Flughafen aus nach Rom zurückfliegen. Und natürlich ging auch das nicht ohne zahlreiche Straßensperren.

Aber einige Termine zwangen mich dann doch in’s Büro. War auch gar nicht so schlimm. Von meinem Fenster aus kann ich recht gut die Frachtterminals überblicken – und als ich da die Tribüne sah, hat es mich zur Mittagspausen dann doch mit der Kamera zum Papst-gucken gezogen. Wenn es denn zu Fuß nur einen guten Kilometer die Straße hinunter ist…

Ich muß wohl wieder einmal sehr offiziell ausgesehen haben, mit weißem Hemd, Sonnenbrille – jedenfalls wurde ich von den Polizistinnen, die dabei waren die Straße abzusperren, nicht verscheucht (wie alle anderen) sondern gefragt: “Gehören Sie dazu?” – das “Aber sicher!” lag mir schon auf der Zunge, aber angesichts der Terror-Paranoia (und meines vollen Terminkalenders) hätte das böse in’s Auge gehen können. Also habe ich lieber brav zugegeben, daß ich rein privat hier bin und wurde prompt hinter die Absperrung komplimentiert.

Bayern ist sauber Dort sammelten sich in der nächsten Stunde gut zwei, drei Dutzend Flughafen-Werftarbeiter. Immer wieder kreisten Hubschrauber über unseren Köpfen, schwarze Limosinen mit Kojaklampen fuhren auf und ab – und endlich kam… ein Straßenreinigungsfahrzeug. Extra für den heiligen Vater wurde noch einmal schnell die Straße sauber gemacht. Schönes Bilderbuch-Bayern…

Bayern ist sauber Schließlich ging alles ganz schnell – erst etliche Motorrad-Polizisten, dann ein schwerer schwarzer Audi mit einem winkenden Papst im Fond, dann ein Rettungswagen, noch mehr schwarze Audis mit nicht minder winkenden älteren Herren in Kardinals-Gewändern und schon war er vorbei, der Papst.

Naja… wenigstens kann ich jetzt sagen, ich wäre Papst Benedikt auf unter 15m nahe gekommen, als er seine bayerische Heimat besucht hat ;-)