Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Archive for November, 2006

Historische Kampfkünste

…und ich war schon wieder kurz davor, mir ein Abo in einer Muckibude zu holen. Wäre natürlich Quatsch gewesen denn natürlich hätte das nur viel Geld gekostet und natürlich wäre ich doch wieder nicht regelmäßig gegangen. Aber sportlich betätigen muß ich mich schon. Nicht nur wegen der mangelnden Bewegung am Arbeitsplatz.

Eigentlich hat mich Dimitar letzte Woche drauf gebracht. Der hat mir bei meinem Besuch in Görlitz nämlich eine kleine Unterrichtsstunde im Schwertkampf gegeben (Dimitar ist ohnehin ein ziemlicher Sport-Crack, mach gerade einen Trainerschein, gibt Unterricht in verschiedenen Kampfsportarten). Und das hat Lust auf mehr gemacht.

In München gibt es die Gruppe Ochs, die historische Kampfkünste trainiert – und wie der Zufall es will ist gerade letzte Woche eine neue Anfängergruppe gestartet. Ich hatte ja erst Bedenken aber dann war ich doch ganz positiv überrascht. Die Gruppe ist gut durchmischt, die Teilnehmer zwischen 17 und 37 Jahren alt. Und so bin ich nicht der einzige über 30-jährige mit Bauchansatz, der sich bei den Dehnübungen hoffnungslos blamiert ;-)

Ab sofort gehe ich zweimal die Woche – dienstags zum Ausdauertraining, donnerstags zum regulären Anfängertraining. Im Augenblick üben wir Dolchkampf und Ringen. Damit wird die Grundlage gelegt für den späteren Kampf mit dem langen Schwert. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg…

Winterschlappen

Ob das nun der wärmste November seit Aufzeichnung der Wetterdaten ist oder nicht. Ende November wird es einfach Zeit für Winterreifen. Ich hab’ mich jetzt doch für eine etwas luxoriösere Variante entschieden. Ich bin nämlich bei dem Gedanken meine A-Klasse in einem Graben zu versenken bei weitem nicht so entspannt wie ich das vor einem Jahr noch bei dem alten Volvo war. Abgesehen davon fahre ich einfach mehr als genug Kilometer um ordentliche Reifen zu rechtfertigen. Ob es allerdings unbedingt Alufelgen sein mußten steht auf einem ganz anderen Blatt…

Der Stress der Anderen

Der Streß der Anderen kann ganz schnell der eigene werden. Mein Arbeitgeber kommt momentan nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Das reizt manchen Cartoonisten zu satirischen Höhenflügen (Danke, Mama, der Brief mit dem Zeitungsausschnitt ist angekommen) – ist aber weit weniger witzig, wenn man selbst mit den Auswirkungen kämpfen muß.

Unsere Kommunikatöre sind ob der schlechten Presse recht dünnhäutig – zumal der Geschäftsbericht ansteht, der den rechtlichen Bestimmungen gemäß zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar sein muß. Und das Medium der Wahl ist das Internet.

An dieser Stelle komme ich in’s Spiel, denn ich verantworte die Web-Content-Management-Systeme des Konzerns aus IT-Sicht. Und da momentan die Luft brennt alle etwas aufmerksamer und vorsichtiger sind, erschwert sich mein Tagesgeschäft im Augenblick ungemein. Da fällt es auch meinem Chef-Chef schwer gelassen zu bleiben und seine Sekretärin schaut mich mit großen Augen an “Wollen Sie da jetzt wirklich rein?”

Mein Job schwankt zwischen Deeskalation, Händchenhalten und den Technikern erklären, warum sie wenige Tage vor Weihnachten eben doch keine freien Wochenenden haben. Das komplizierte Kartenhaus der System-Wartungs-Planung zusammenzuhalten wird auch nicht leichter, wenn jeder meint kurz-vor-knapp nach Belieben den Zeitplan durcheinander bringen zu können. Bin ich froh, daß ich auf IT-Seite so geduldige Mitstreiter habe.

Die Arbeitstage sind also lang, das Diensthandy auch am Wochenende angeschaltet.

Rückehr auf die Hohnstein

Unterer Burghof

Burg Hohnstein ist ein sehr wichtiger Punkt in meinem Leben. Mit ihr verbinde ich zwei sehr aufwendige Live-Rollenspiele, Slaves to Darkness II und III. Das Dreier war meine Feuertaufe als Spielleiter, es war das erste mal, daß ich erlebte, wie ein gut durchorganisiertes LARP aussehen kann – und wieviel trotzdem schief gehen kann. Wobei Feuer das falsche Bild ist. Bei -32° ist uns der Diesel in den Autos flockig geworden. Zeitweilig habe ich auf dem LARP sogar den Laden zusammengehalten, als der Organisator Daniel für knapp einen Tag ausgefallen war – was war ich stolz danach.

Burg Hohnstein liegt in der sächsischen Schweiz, südöstlich von Dresden. Irgendwo im Nirgendwo. Die Burganlage ist recht groß. Über zwei Burghöfe sind mehrere Gebäude verteilt, ein Paradies für Liverollenspieler. Die Burg liegt oberhalb einer Schlucht – das heißt der dem Dorf Hohnstein abgewandten Seite geht es dreißig Meter in die Tiefe. Und darunter erstreckt sich der Beerengarten, ein Naturschutzgebiet. Einfach ein toller Ort.

Blick vom Turm auf den oberen Burghof

Nach dem Slaves 3 war es dann leider vorbei mit dem Spielort Hohnstein. Die Jugendherberge wurde an den Bund der Naturfreunde verkauft, die (zumindest damals) LARPern gegenüber nicht so aufgeschlossen waren.

Aufstieg in den Burgturm

Nachdem ich mich von Görlitz auf dem Rückweg nach Moosburg befand, wollte ich die Zeit für einen Besuch nutzen. Vieles ist beim alten geblieben – und einiges hat sich verändert. Der Gewölbekeller, in dem Daniel im Schein von Feuerschalen dem sächsischen Lokalfernsehen ein Interview gab und darüber fabulierte, daß der Ritter Ozelot hier auf das Mütterchen mit der Holzkiepe treffen könnte, ist heute frisch geweißt und beherbergt ein kleines Museum. Der Pavillion, in dem wir einen komplizierten Tempel mit Wasserspielen installiert hatten (den wir uns dann wegen der Kälte dann aber doch nicht in Betrieb zu nehmen trauten) bietet heute einer Kletterwand für Kinder Platz. Den oberen Burghof ziert nun ein großer Cola-Automat. Und die notdürftigen Geländer an den Burgmauern sind Sicherheitszäunen gewichen.

Nur der alte Esssaal scheint genau so, wie wir ihn verlassen haben. An der Decke hängt immernoch das gleiche alte Netz, das unsere Spieler so nervös gemacht hatte. Und die gleiche bunte Lichterkette. Nur die schönen Holzstühle mit 50er-Jahre-Charme sind billigen Plastikstühlen gewichen.

Der Speisesaal

Für mich ist die Erinnerung lebendig. Es hat gut getan, zurückzukehren. Wer weiß – vielleicht veranstalte ich hier mal wieder was? 2008? :-)

Photos vom Slaves to Darkness 2

Photos vom Slaves to Darkness 3
NC’s Fantasy-LARP Photos

Heimgekehrter Vertriebener

Die Überschrift ist Unsinn. Erstens bin ich kein Vertriebener. Als geborener Westfale (Ostwestfale, soviel Zeit muß sein) habe ich die bayerische Diaspora freiwillig gewählt. Die preußischen Gastarbeiter werden hier aber auch wirklich gut behandelt und am Sonntag bekommen wir sogar etwas Fleisch in unsere Brühe…

Ich schweife ab. Selbst wenn ich einmal den Schuß friesisches Blut (ostfriesisches Blut, soviel Zeit muß sein) außer acht lasse und mich ganz auf die Ahnenlinie väterlicherseits konzentriere, kehre ich mit meiner Fahrt nach Niederschlesien eben nicht heim – denn geflüchtet ist meine Familie nach dem Krieg aus Oberschlesien.

Also nochmal: die Überschrift ist Unsinn. Aber in den Osten Deutschlands bin ich trotzdem gefahren. Nach Görlitz, um Dimitar zu besuchen. Görlitz liegt im Bundesland Sachsen, gehört aber trotzdem zu Niederschlesien. Entsprechend wird dort nicht gesächselt sondern ein für einen Ostwestfalen angenehm verständliches Hochdeutsch gesprochen.

Görlitz als Stadt ist überwältigend. Die barocke Altstadt ist unglaublich schön – nur der Leerstand der Wohnungen (wundervolle Altbauten, zum Gutteil saniert) fällt auf. Als Architekt kennt sich Dimitar aus und kann mir einiges auf dem Stadtrundgang erklären.

An diesem Wochenende wurde ich erst von Dimitars Eltern verköstigt, dann von der Familie seiner Freundin und schließlich von seinem Bruder – wenn ich also kugelrund nach Hause fahre liegt das an der wunderbaren Gastfreundschaft, die ich genießen durfte. Herzlichen Dank dafür.

Moosburger Blog schließt

Ich habe gerade gelesen, daß Michael seinen Blog “aus privaten Gründen” vom Netz genommen hat. Komisch – ich muß ihn unbedingt mal fragen, was ihn dazu bewogen hat…

Unter Elben

Ich komme gerade vom Elbenbündnis-Treffen im Taunus – nein, nicht, weil ich selber Elben-Darsteller wäre. Das wäre mit Bart ja auch ziemlich albern. Nein, zum einen kenne und mag ich einige Spieler der Gruppe Elbenlager, zum anderen hatte ich auf einige nette Photos gehofft.

Die Stimmung war prima, gespielt wurde nur ein paar Stunden am Samstag, der Rest der Zeit wurde mit gemütlichem Beisammensein und Schlemmen verbracht. Und die jungen Nachwuchsspieler lauschten andächtig den Geschichten von uns Alten, die wir schon Rollenspiel betrieben, als sie noch gar nicht auf der Welt waren…

Tom und Niels Christian

Bloß mit den Photos sah es nicht gut aus. Statt warmer Herbstsonne gab es kalten Nieselregen. Ich habe mir dann kurzentschlossen aus einem Stück goldener Rettungsdecke, ein paar Streifen Gaffer-Tape und einem Pappkarton einen prima Reflektor für meinen Blitz gebastelt. Die Ergebnisse sind überraschend gut geworden und (wie immer) in meiner Gallerie zu finden.

Mein erstes Cover-Bild

LARPzeit Ausgabe 14

Wenn Ihr in den nächsten Wochen einmal in einem Bahnhof durch einen Kiosk geht, dann achtet doch einmal auf das Regal mit den Mittelalter- und Rollenspiel-Zeitschriften. Ich habe gerade die Email von Christian, dem Layouter der LARPzeit bekommen. Ein von mir geschossenes Photo wird die Titelseite zieren. Ich bin echt stolz wie Bolle :-)

Das Bild habe ich unter den riesigen alten Bäumen im Garten von Schloß Wetzlas in Niederösterreich auf den “Tagen der Tapferkeit” aufgenommen. Ausschlaggebend waren neben dem Motiv (Marcus als Feuermagier Rhayad mit seiner Begleiterin, der Wassermagierin Sanguria) die herbstlichen Farben im Hintergrund.