Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Archive for November 19th, 2006

Rückehr auf die Hohnstein

Unterer Burghof

Burg Hohnstein ist ein sehr wichtiger Punkt in meinem Leben. Mit ihr verbinde ich zwei sehr aufwendige Live-Rollenspiele, Slaves to Darkness II und III. Das Dreier war meine Feuertaufe als Spielleiter, es war das erste mal, daß ich erlebte, wie ein gut durchorganisiertes LARP aussehen kann – und wieviel trotzdem schief gehen kann. Wobei Feuer das falsche Bild ist. Bei -32° ist uns der Diesel in den Autos flockig geworden. Zeitweilig habe ich auf dem LARP sogar den Laden zusammengehalten, als der Organisator Daniel für knapp einen Tag ausgefallen war – was war ich stolz danach.

Burg Hohnstein liegt in der sächsischen Schweiz, südöstlich von Dresden. Irgendwo im Nirgendwo. Die Burganlage ist recht groß. Über zwei Burghöfe sind mehrere Gebäude verteilt, ein Paradies für Liverollenspieler. Die Burg liegt oberhalb einer Schlucht – das heißt der dem Dorf Hohnstein abgewandten Seite geht es dreißig Meter in die Tiefe. Und darunter erstreckt sich der Beerengarten, ein Naturschutzgebiet. Einfach ein toller Ort.

Blick vom Turm auf den oberen Burghof

Nach dem Slaves 3 war es dann leider vorbei mit dem Spielort Hohnstein. Die Jugendherberge wurde an den Bund der Naturfreunde verkauft, die (zumindest damals) LARPern gegenüber nicht so aufgeschlossen waren.

Aufstieg in den Burgturm

Nachdem ich mich von Görlitz auf dem Rückweg nach Moosburg befand, wollte ich die Zeit für einen Besuch nutzen. Vieles ist beim alten geblieben – und einiges hat sich verändert. Der Gewölbekeller, in dem Daniel im Schein von Feuerschalen dem sächsischen Lokalfernsehen ein Interview gab und darüber fabulierte, daß der Ritter Ozelot hier auf das Mütterchen mit der Holzkiepe treffen könnte, ist heute frisch geweißt und beherbergt ein kleines Museum. Der Pavillion, in dem wir einen komplizierten Tempel mit Wasserspielen installiert hatten (den wir uns dann wegen der Kälte dann aber doch nicht in Betrieb zu nehmen trauten) bietet heute einer Kletterwand für Kinder Platz. Den oberen Burghof ziert nun ein großer Cola-Automat. Und die notdürftigen Geländer an den Burgmauern sind Sicherheitszäunen gewichen.

Nur der alte Esssaal scheint genau so, wie wir ihn verlassen haben. An der Decke hängt immernoch das gleiche alte Netz, das unsere Spieler so nervös gemacht hatte. Und die gleiche bunte Lichterkette. Nur die schönen Holzstühle mit 50er-Jahre-Charme sind billigen Plastikstühlen gewichen.

Der Speisesaal

Für mich ist die Erinnerung lebendig. Es hat gut getan, zurückzukehren. Wer weiß – vielleicht veranstalte ich hier mal wieder was? 2008? :-)

Photos vom Slaves to Darkness 2

Photos vom Slaves to Darkness 3
NC’s Fantasy-LARP Photos

Heimgekehrter Vertriebener

Die Überschrift ist Unsinn. Erstens bin ich kein Vertriebener. Als geborener Westfale (Ostwestfale, soviel Zeit muß sein) habe ich die bayerische Diaspora freiwillig gewählt. Die preußischen Gastarbeiter werden hier aber auch wirklich gut behandelt und am Sonntag bekommen wir sogar etwas Fleisch in unsere Brühe…

Ich schweife ab. Selbst wenn ich einmal den Schuß friesisches Blut (ostfriesisches Blut, soviel Zeit muß sein) außer acht lasse und mich ganz auf die Ahnenlinie väterlicherseits konzentriere, kehre ich mit meiner Fahrt nach Niederschlesien eben nicht heim – denn geflüchtet ist meine Familie nach dem Krieg aus Oberschlesien.

Also nochmal: die Überschrift ist Unsinn. Aber in den Osten Deutschlands bin ich trotzdem gefahren. Nach Görlitz, um Dimitar zu besuchen. Görlitz liegt im Bundesland Sachsen, gehört aber trotzdem zu Niederschlesien. Entsprechend wird dort nicht gesächselt sondern ein für einen Ostwestfalen angenehm verständliches Hochdeutsch gesprochen.

Görlitz als Stadt ist überwältigend. Die barocke Altstadt ist unglaublich schön – nur der Leerstand der Wohnungen (wundervolle Altbauten, zum Gutteil saniert) fällt auf. Als Architekt kennt sich Dimitar aus und kann mir einiges auf dem Stadtrundgang erklären.

An diesem Wochenende wurde ich erst von Dimitars Eltern verköstigt, dann von der Familie seiner Freundin und schließlich von seinem Bruder – wenn ich also kugelrund nach Hause fahre liegt das an der wunderbaren Gastfreundschaft, die ich genießen durfte. Herzlichen Dank dafür.