Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Archive for Juni, 2007

Pulverisiert

Ganzer Bogen - vor und nach dem Einölen Aufhübsch-Arbeiten – das klingt so niedlich. So als müsse man da gar nicht viel machen. Die Realität sieht anders aus. Ich habe mich langsam von 60er Schleifpapier über 80er und 120er zum 160er vorgearbeitet und trotzdem hat der Bogen noch eine Menge winzig kleiner Macken.

Aber damit kann ich bei meinem Erstling leben. Die Oberfläche ist nach zwei Stunden Schleifarbeit für mich ausreichend glatt. Und jetzt wollte ich endlich wissen, wie sich das Schaftol auswirkt. Der Effekt ist enorm. Hatte das Hickory vor der Behandlung noch den Charm von Bauholz für Verschalungen hat es jetzt einen angenehm warmen dunklen Braunton angenommen. Und die Sauerei mit dem Öl hielt sich auch in Grenzen.

So, heute Abend kommt Norbert vorbei – dann messen wir den Bogen noch einmal aus – ich fürchte ja, er ist immernoch zu stark. Dann werde ich ihn noch einmal abschleifen müssen…

Farbunterschiede durch dunkles Schaftol

Bogenbaukurs – ausführlich

Gestern war ich einfach zu faul müde, um einen ausführlichen Bericht über den Bogenbaukurs zu schreiben. Dabei verdient die Geschichte einen ausführlicheren Text.

Charly (“Wir Bogenschützen duzen uns untereinander…“) hat seine Werkstatt in Fischerhäuser, einem kleinen Flecken zwischen München und Freising, nicht weit vom Flughafen. Hier hält er seine Bogenbaukurse ab – kaum 500m entfernt von einem Bogenschießstand. Die Kellerwerkstatt bietet Platz für bis zu sieben Bogenbauschüler – aber wir hatten Glück. Eigentlich wollte ein Abiturient an diesem Wochenende einen Privatkurs nehmen (er schreibt eine Physik-Hausarbeit über Bögen). Und weil Stella nicht an jedem Wochenende Zeit hat nach München zu kommen, hat Charly uns kurzerhand dazugenommen. Damit sind wir nur zu dritt und entsprechend viel Zeit kann sich unser Lehrer für jeden von uns nehmen.

Charlys Werkstatt

Der Keller in Fischerhäuser bietet Platz für Charlys Holzsammlung – er ist spezialisiert auf hochwertigen Bambus, den er bei anderen Bogenbauern gegen schwer erhältliche Hölzer eintauscht. Vergleichsweise gewöhnliche Hölzer kauft er aber auch selber. Und so groß seine Sammlung an Bogenhölzern in diesem Keller ist, so groß ist auch seine Auswahl an Rohlingen. Stella entscheidet sich für einen sehr schönen aus einer Kombination aus Hickory und amerikanischer Kirsche, für mich kommt (schon wegen meiner Größe) nur ein sehr langer Rohling aus Hickory in Frage.

Im ersten Schritt werden die Rohlinge in der Breite symetrisch gehobelt. Dabei müssen wir sehr vorsichtig arbeiten – Jede abgehobelte Faser bedeutet später weniger Kraft – und in der Breite macht sich das Entfernen von Material acht mal stärker bemerkbar als in der Dicke (“Damit bin ich nicht ganz einverstanden – in der Praxis hat sich gezeigt, daß das Verhältnis eher eins zu sechs ist.“).

Holz dehnt sich leichter, als daß es gestaucht wird. Die Bauchseite des Bogens (also die, die zum Schützen zeigt) wird also stärker belastet als der Bogenrücken. Deshalb wird der Bogenrücken an den Seiten abgerundet – so nehmen wir unnötiges Material weg – und weniger Material bedeutet in diesem Fall schnellerer Bogen.

In der Mitte haben die Rohlinge bereits ein deutlich dickeres Stück aufgeleimt. Aus dem arbeiten wir jetzt unter viel Fluchen mit Raspeln den Griff heraus. Und an die Schenkelenden kommen noch die Sehnenkerben.

Jetzt wird zum ersten mal die Bogenbauersehne aufgespannt und wir beginnen mit dem “Tillern” – dabei wird der künftige Bogen leicht gespannt und nur mit dem Augenmaß (naja – und bei Bedarf auch mit kleinen Hilfsmitteln) geprüft, wo sich die Bogenschenkel gut biegen, und wo sie recht steif sind. Die steifen Stellen werden mit Zieheisen, Raspel und Hobel leicht ausgedünnt, um sie flexibler zu machen. Ziel ist, daß die Bogenschenkel über die gesamte Länge gleichmäßig arbeiten, und nicht eine Stelle besonders viel Dehnung leistet, während die andere sehr starr bleibt.

Und das dauert seine Zeit – aufspannen, prüfen, steife Stellen markieren, abspannen, hobeln, wieder aufspannen und wieder von vorne. Nach ein paar Stunden sind unsere Bögen endlich so gut bearbeitet, daß die Schenkel über die gesamte Länge gleichmäßig arbeiten.

Normalerweise wäre der Bogen jetzt fertig. Aber weil Stella und ich unsere Bögen im LARP einsetzen wollen, müssen wir sie noch schwächen (im Liverollenspiel schießen wir mit Sicherheitspfeilen aufeinander – allerdings dürfen die Bögen dort ein Zuggewicht von 25-30lbs nicht überschreiten). Deshalb hobeln wir jetzt über die gesamte Länge der Schenkel Holz von den Schenkelbäuchen ab – bis wir unser gewünschtes Zuggewicht erreicht haben. Dann noch die Sehne drauf – und nach zwölf Stunden Arbeit sind unsere Bögen fertig (naja – ich habe etwas länger gebraucht, weil mein Hickory sehr widerborstig war).

(Ausführlichere Bogenbau-Anleitungen finden sich im Internet, zum Beispiel hier.)

Charly erklärt während der ganzen Zeit unglaublich viel, erzählt aus der Geschichte des Bogenbaus, zeigt verschiedene Bogen-Beispiele aus seiner Sammlung. Hin und wieder macht er Abstecher in recht amüsante Episoden aus seinem Leben ganz abseits von Bogenbau und Bogensport.

Sonntag in der prallsten Mittagssonne können wir unsere selbstgebauten Bögen endlich auf dem nahen Schießstand ausprobieren. Stella ist ein Naturtalent und trifft sofort – meine Fähigkeiten… haben Verbesserungspotential :-) Den Sonnenbrand, den wir beide uns geholt haben, spricht jedenfalls dafür, daß wir ganz schön viel Zeit auf dem Schießplatz verbracht haben.

Jetzt müssen wir unsere Bögen nur noch verschönern, noch einmal mit Sandpapier die Unebenheiten entfernen und vor allem gegen Feuchtigkeit einölen (“Schaftöl aus dem Gewehrbedarf – das beste, was es für Bögen gibt.“).

Ich habe mir jedenfalls schon vorgenommen, nach dem “Kinderbogen” im Herbst noch einen zweiten richtigen Bogen mit mehr Zugkraft zu bauen. Bogenschießen beruhigt ungemein.

Auf der Pirsch

Stella ist heute Morgen um 4Uhr nach Krefeld aufgebrochen – ich kann gar nicht beschreiben, wie angenehm frisch die Luft um die Uhrzeit ist – und wie ruhig. Also habe ich mir den Langbogen geschnappt, einen Pfeil und hab’ die Felder vor Moosburg unsicher gemacht.

Der Pfeil ist mit einer speziellen Fangspitze versehen. Die verfängt sich in langen Grashalmen und sorgt für einen Überschlag – eine sehr nützliche Sache, denn Pfeile mit normaler Spitze schießen gerne waagerecht in das Gras und sind dann unglaublich schwer unter der Grasoberfläche wiederzufinden.

Und so ging es dann die Feldwege entlang – eine Blume oder ein paar Kornhalme am Wegrand in’s Visier nehmen, schießen, knapp verfehlen, dem Pfeil hinterherlaufen, neues Ziel suchen. Das ist (im Gegensatz zu gewissen texanischen Bräuchen, zu denen ein gewisser Exil-Düsseldorfer nicht müde wird seine Gäste zu überreden) eine sehr ruhige und entspannende Art, den Sonnenaufgang mitzuerleben.

Das Reh im Getreidefeld schien meine Schießkünste eher amüsiert zu betrachten – es schien genau zu wissen, daß ich bei meinem derzeitigen Zielvermögen eher eine Gefahr für mich selber als für irgendjemand anderen darstelle. Ich arbeite daran… hmmm… Rehkeule zum Frühstück…

Raspel, Hobel, Feile

An meiner Armbrust war ja der Bogen gebrochen. Für solche Fälle ist Charly der richtige Mann. Charly, Jahrgang ’48, hat eine Zeit im Nationalkader der Bogenschützen geschossen und verdient heute sein Geld mit Bogenbau – sein Spezialgebiet sind Bögen aus Bambus. Und daraus konnte er mir auch sehr fix einen Ersatzbogen bauen.

Dabei kamen wir in’s Gespräch und da habe ich Stella und mich spontan für dieses Wochenende zu einem Bogenbaukurs bei ihm angemeldet.

20070610_bogenbau.jpg

Nach gut 12 Stunden feilen, hobeln, raspeln, fluchen, schleifen, messen und wieder hobeln ist Stella stolze Besitzerin eines handgefertigten Bogen aus Kirschholz-Hickory und ich Besitzer eines Hickory-Langbogen mit 2,10m Schenkellänge.

Sooo… das nächste Live kann kommen.

Clever

Na klasse – wenn ich IQTest.dk Glauben schenke, dann darf ich mich zu den 2,2% der Weltbevölkerung zählen, deren Intelligenzgrad als “extrem hoch” einzuschätzen ist.

IQ 135

Und wieso macht sich das nicht mal im Alltag bemerkbar?

Umgezogen nach blog.goerz.net

Ich schreibe diesen Blog ja in allererster Linie für meinen Vater – und natürlich für alle Freunde und Bekannte, die gern wissen möchten, was ich so treibe.

In letzter Zeit schauen aber immer mal wieder Leute auf meine Internet-Adresse www.goerz.net, die eher professionell an mir interessiert sind. Vor denen möchte ich meinen Blog zwar nicht verstecken – aber ich möchte mich Leuten, die mich nicht kennen, etwas anders präsentieren.

Deshalb ist mein Blog ab sofort unter blog.goerz.net zu erreichen. Und in den nächsten Tagen werde ich meiner eigentlichen Adresse www.goerz.net ein neues Gesicht verpassen.

Lübecker Hochzeit

Ich bin gerade zurück aus Lübeck. Timo und Katja haben geheiratet – das macht den gemeinsamen Umzug nach Zürich sicher leichter. Wobei seit vergangenem Freitag für Bewohner der alten EU-Staaten erheblich leichter geworden ist, in der Schweiz zu arbeiten – zumindest für ein Jahr. Ob die Eidgenossen diese großzügige Handhabe der Arbeitserlaubnis beibehalten bleibt abzuwarten.

Aber zurück zur Hochzeit – die kirchliche Trauung fand in der St. Matthaei-Kirche, nahe der Altstadtinsel, statt – eine wirklich schöne Zeremonie. Und weil wir uns unmittelbar vor dem Gottesdienst eingesungen haben, war dann während der Zeremonie nicht nur die Orgel zu hören.

Die eigentliche Feier war eine runde Sache – mal abgesehen vom DJ, der eher… unteres Mittelmaß war. Seine Anmoderationen haben mich an eine furchtbar schlechte Dorfdisco erinnert und wieso er davon überzeugt war, daß bestimmt viele Gäste tanzen würden, wenn er die Musik so laut aufdreht, daß einem auch an den hinteren Tischen fast das Trommelfell herausfällt, erschließt sich mir nicht. Ich traue mich das zu schreiben, weil er kein Bekannter von Katja und Timo war, sondern den beiden empfohlen worden war.

Dafür waren die Hochzeitsspiele ganz nett, das Essen klasse und wir haben uns wirklich gut mit einigen alten und neuen Bekannten unterhalten. Katjas Vater hat eine ganz fabelhafte Rede gehalten (oder besser gesagt, eine Bedienungsanleitung für seine Tochter vorgetragen). Oh – und ich konnte Timo zu später Stunde zu Square-Lips überreden :-)

Timo und Niels beim Square Lippen

Wo ich mal gewohnt habe

So, obwohl es schon 10 Uhr durch ist, mußte ich Stella zumindest die Lübecker Altstadtinsel im Schnelldurchlauf zeigen – und schauen, wie es meinem alten Studentenwohnheim in der Großen Altefähre geht. Es steht noch – wobei ich allerdings bemerken darf, daß WIR damals (vor mittlerweile 10 Jahren) die Gemeinschaftsflure etwas sauberer gehalten haben, als die aktuellen Bewohner das machen. Dafür ist aber auch vieles beim alten geblieben. Das Pinnbrett mit den “neuen” Adressen der Bewohnern aus den achtzigern hängt immernoch da und die Möbel, die ich einst demontiert und feinsäuberlich verräumt hatte, liegen immernoch ungenutzt im Abstellraum.

Aber der Gang über die Altstadtinsel macht mich ein wenig wehmütig. Viele schöne Läden und auch Häuser sind verschwunden. Trotzdem – Lübeck wird immer eine Stadt sein, in der ich gerne wohnen würde.

Studentenwohnheim Große Altefähre in Lübeck

Burger und Internet

Genau so hat das in den Werbespots or sieben Jahren ausgesehen – so hatten wir uns das damals vorgestellt. Einfach hinsetzen, einen (superleichten) Laptop auspacken und mit Freunden rund um den Erdball per Videokonferenz telefonieren.

Aber von vorne: die Telekom war so nett, mir als gutem Kunden von DSL und Telefon den Zugang zu ihren WLAN-Hotsopts als Gratisdreingabe zu geben. Und die findet man an den Autobahnen an jedem McDonald’s.

T-Online WLAN Hotspot im Mc Donald’s

Das mußte ich gerade ausprobieren und es klappt fabelhaft. Und just in dem Augenblick meldet sich Andreas, der Foxpod-der aus Kiev per Video-Chat bei mir. Ich glaube, jetzt sind wir wirklich so richtig im 21. Jahrhundert angekommen – ich sitze im McDonald’s bei Buchholz, nördlich von Hannover und videofoniere mit einem Freund in Ukraine, ca. 1700km entfernt.

Das mit dem Treffpunkt hier hat gut funktioniert, obwohl Stella aus Krefeld und ich aus München angereist ist und wir beide Staus umfahren mußten. Sie läßt hier ihr Auto jetzt hier stehen und wir werden gemeinsam weiter nach Lübeck fahren.