Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Archive for Dezember, 2007

Da waren’s nur noch 27…

“Schade… ich hatte gehofft, der hätte noch eine dritte Wurzel. Ich habe wirklich gedacht, der verarscht mich”, sagt Dr. Thummerer, während er die letzten Brocken meines Weisheitszahns unten links aus meinem Zahnfleisch puhlt.

Ja, wir haben heute viel gelacht. Wobei mir eigentlich gar nicht so sehr zum Lachen zumute sein sollte. Ich bin mit fünf Weisheitszähnen gesegnet (gewesen, muß ich jetzt wohl hinzufügen). Und die hat er mir gerade gerissen. Alle fünf, alle auf einen Streich. Und das innerhalb einer Stunde. Dabei waren die oberen nicht besonders dramatisch. Gut… der Neuner oben links (also der zusätzliche Weisheitszahn) hatte sich noch ziemlich tief im Knochen versteckt. Der unten rechts hatte dagegen eine krumm gebogene Wurzel und ließ sich erst nach einer zusätzlichen Spritze und einigem Zureden mit der Fräse zur Aufgabe überreden.

Aber der unten rechts? “Es ist komischerweise immer der letzte, der Probleme macht”, hat mir der Kieferchirurg beiläufig erläutert, während er mir munter das achte oder neunte mal nachspritzt – mittlerweile hatte er den Zahn aufgeboht und direkt in den Zahnnerv die Spritze gesetzt. Ein Vergnügen der ganz besonderen Art. “Aber so lassen können wir es ja auch schlecht.” Recht hat er. Also raus damit. Und nachdem er eine halbe Stunde lang an dem Zahn herumlaboriert hat, ihn schließlich mit der Fräse in mehrere Einzelteile zerlegt hat, hat er ihn endlich raus.

Natürlich rät er mir davon ab, jetzt gleich 170km mit dem Auto heimzufahren. Aber obwohl ich einen naßgeschwitzten Rücken habe, fühle ich mich fit genug. Und tatsächlich muß ich nur einmal Zwischenhalt machen, um mir den Mund auszuwaschen. Die Dame bei Sixt schaut mich nur mitleidig an: “Herr Görz, so geht das nicht. Immer wenn wir uns sehen, haben Sie irgendetwas.” – klar. Denn sie hat nachmittags Dienst. Und wenn ich dann das Auto abgebe, habe ich früher als geplant Dienstschluß.

Die Betäubung im Unterkiefer hätte übrigens wirklich für einen Elefanten gereicht. Erst nach sieben Stunden stellt sich langsam wieder ein Gefühl ein.

Fazit: Es gibt schönere Dinge, als sich die Weisheitszähne ziehen zu lassen. Aber wenn man es bei einem (guten) Chirurgen machen läßt, ist das eigentlich keine große Sache. Vor allem sollte man (wenn es notwendig ist) nicht erst warten, bis sie sich entzündet haben. Denn dann wirkt die beste Betäubung nicht richtig.

Meine Weisheitszähne haben sehr krumme Wurzeln - da macht das Ziehen gleich richtig Freude

Schon wieder irisch

Irgendwie sehen alle Irish Pubs ja gleich aus – so bemüht irisch, so, wie man sich das als Deutscher halt vorstellt, möglichst düster in dunklem Holz gehalten, die Beleuchtung schummrig, dämmrig. Das Irish Castle, das mir Frederick heute am Nürnberger Plärrer gezeigt hat, ist da anders. Ganz anders.

Die Schankräume liegen in einem alten, ziegelsteinernen Kellergewölbe und erstrecken sich über mehrere Räume. Düster ist es auch hier, aber die Beleuchtung ist nicht ganz so schummrig und vor allem hat man auf die obligatorische Holzvertäfelung verzichtet. Die kühlfeuchte Kellerluft tut der Stimmung keinen Abbruch. Schade war allerdings, daß die Liveband ihre Musik in den wirklich engen Räumen derart technisch verstärkt hat, daß man kaum sein eigenes Wort verstehen konnte.

Naja – allzu alt sind wir heute abend eh nicht geworden. Als Bäckermeister muß Frederic im Familienbetrieb um 4Uhr früh schon wieder auf der Matte stehen.

Fröhliche Adventzeit

Heute morgen um sechs erst einmal zu Sixt. Die Dame vom Frühdienst hat einen 5er BMW für mich und ein paar aufmunternde Worte, meine Zähne betreffend. Nett.

Um acht in Freising zieht mir Dr. Thummerer endlich die Fäden von der OP vor einer Woche. Tut gut nicht mehr die halbe Backe an den Zähnen festgenäht zu haben. Und ich kann ihn überreden, mich am kommenden Donnerstag für einen Termin zum Ziehen der Weisheitszähne vorzumerken. Überreden deshalb, weil er ja eigentlich um 15Uhr Feierabend machen will (sagt zumindest seine Sprechstunden-Assistenz). Aber ich habe nun wirklich keine Lust, mir erst kurz vor Weihnachten die Beisser rausnehmen zu lassen. Denn in der Woche zwischen drittem und vierten Advent bin ich auf Schulung. Und da will ich vernünftig reden können. Vom Essen über Weihnachten mal ganz zu schweigen.

Ein Kollege hat übrigens drei Termine für seine Weisheitszähne gebraucht. Zum ersten ist er gar nicht erst gegangen, beim zweiten saß er im Wartezimmer – und hat sich schlagartig überlegt, daß er doch dringend einen geschäftlichen Termin wahrnehmen muß – und beim dritten mal wurde er dann direkt in’s Behandlungszimmer gelotst – da hat es dann endlich geklappt.

Geocaching

Mein mit dreieinhalb Jahren doch schon recht betagtes Handy Siemens SX1 funktioniert noch. Das ist deswegen fein, weil ich heute Geocachen wollte. Aber von vorne, denn Geocachen habe ich hier noch nie erwähnt. Mit einem GPS-Gerät kann mn ja relativ genau seine Position bestimmen. Da kamen einige Leute auf die Idee daraus eine moderne Schnitzeljagd zu machen. Man gibt andere Leuten ein paar Kooridinaten vor, die dieser dann mit Hilfe seines GPS-Geräts aufsucht. An diesem Ort versteckt man dann einen kleinen Behälter, in dem sich ein Logbuch befindet, eine Art Gipfelbuch. Und weil das allein zu langweilig wäre, sind die Behälter oft etwas größer, und man findet als Schatzsucher darin allerlei Tand. Und damit sich auch der nächste Finder freut, nimmt man nicht nur etwas von dem Tand heraus, sondern legt auch etwas neues hinein.

Nun wäre es dieses Weitersagen von Kooridinaten, an denen man einen Schatz (Cache) finden kann sehr mühselig, gäbe es nicht mehrere Internetplattformen, auf denen man sein Versteck bekanntgeben kann. Ich habe zum Beispiel in der Nähe meines Elternhauses einen Cache versteckt.

Mein altes SX1-Handy kann ich mit einem kleinen zusätzlichen Empfänger und der passenden Software in einen prima GPS-Empfänger verwandeln. Nachdem mir in den letzten Tagen zum Stubenhocken verdammt war, konnte ich heute das bewölkte aber warme Wetter endlich nutzen, um mal wieder vor die Tür zu gehen.

Schatzkisten müssen nicht immer alte Holztruhen sein. Beim Geocachen reicht Tupperware.

Gleich zwei Verstecke habe ich heute am Frankenschnellweg entdeckt. Ich hatte nach zwei Jahren Pause schon fast vergessen, wieviel Spaß das macht. Solange noch kein Schnee liegt (dann sind die Schatzkisten meist sehr schwer zu entdecken) muß ich das unbedingt wieder öfter machen.