Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Archive for April, 2008

So ein Strund

18:25Uhr – Irgendwo über dem Atlantik

Halbzeit. Acht Stunden und 45 Minuten soll der Flug dauern, aber der Kapitän ist zuversichtlich, daß wir es schneller schaffen werden. Acht Stunden. Ich denke gerade daran, daß ich vor einigen Jahren in dieser Zeit die Strecke von Lübeck nach München zurückgelegt habe. Damals war das kein Problem – rein in’s Auto und ab auf die Autobahn. Ich erinnere mich an eine Tour, bei der ich tatsächlich nur einmal für zwei Minuten angehalten habe, um schnell auszutreten.

Hier im Flieger ist alles anders. Vor allem ist der Fußraum eng. Meine langen Beine sind jetzt wirklich ein Nachteil. Immerhin kann ich mein linkes Bein von Zeit zu Zeit im Gang ausstrecken.

Das Flugzeug ist eine Boing 767 – und nicht gerade fabrikneu. Das gleiche kann man auch über die Flugbegleiter sagen. Woher kommt eigentlich die Mär, die seien immer jung und knackig? Die hier sind es jedenfalls nicht. Aber dafür sehr ruhig, nett und zuvorkommend. Und was mehr kann man sich wünschen?

Ich sitze in einer Fensterreihe auf dem Gangsitz. Mein Nachbar hat gleich nach dem Start die Jalousine heruntergezogen und schaut auf seiner PSP Videos – das heißt – im Augenblick läuft die PSP und er schläft. Wohl das Flug-Äquivalent zu “vor der Glotze einschlafen”. Immerhin ist er nicht dick und schnarcht auch nicht – gleich zwei Dinge, über die mir Stella und Andreas als erfahrene Transkontinentalflieger Horrorgeschichten erzählt haben.

Das Mittagessen wurde schon eine Stunde nach Abflug gereicht, ebenso die Getränke. Die Visa- und Zoll-Formulare sind auch schon ausgefüllt. In den Fernsehern über der Mittelreihe läuft irgendein Film. Ich halte mich lieber an die Hörbücher auf meinem IPod. SPIEGEL und ‘ct habe ich leider daheim gelassen. Was bleibt mir also noch zur Zerstreuung? Ein Katalog namens SkyMall mit allerlei Dingen, die das Leben des amerikanischen Durchschnittsbürgers schöner gestalten soll. Ein Katzenklo mit automatischer Streu-Entsorgung? Nie wieder beim Spielen mit dem Hund den vollgeschlabberten Tennisball aufheben müssen? Für alles gibt es eine tolle Lösung, vorgestellt in bunten Farben von glücklichen Menschen. Mama, wenn Du das hier liest: Danke für jedes abfällige “So ein Strund!”, mit dem Du jedes bunte Plastikspielzeug (vorzugsweise aus dem Haus Mattel) bedacht hast, das ich mir als Kind so sehnslich gewünscht habe (und das Du mir natürlich nicht gekauft hast). Das hat mich für den Rest meines Lebens gegen solche Angebote immunisiert.

Overdressed

13:25Uhr – Frankfurt Flughafen, Sicherheitsbereich Terminal C Gate 9

Wenn man den modernen, großzügig und doch funktional gestalteten Flughafen in München kennt, ist Frankfurt ein echter Kulturschock. Die Wege sind weit. Dafür gibt es alle paar Meter eine andereKontrolle. Das Personal von American Airlines scheint durch die Bank aus US-Amerikanern zu bestehen – den Unterschied merkt man nicht nur am Akzent, wenn sie sprechen. Sie sind auch erheblich freundlicher als das deutsche Flughafen-Personal und der deutsche Grenzbeamte. Vielleicht sind die aber auch nur deshalb so frustriert, weil sie den ganzen Tag in einem Betonklotz ohne Fenster Dienst schieben müssen.

Stella hat mich vor einer knappen Stunde abgesetzt. Und natürlich habe ich mich als Rookie von der Dame am Check-In gleich in den Sicherheitsbereich schicken lassen. Was für ein Quatsch. Ich hätte locker noch etwas essen können. Stattdessen muß mir jetzt ein pappiges Brötchen mit etwas Aufschnitt reichen. Andererseits unterscheidet sich der Sicherheitsbereich hier erheblich von dem in München. Keine Geschäfte, nur ein Raum mit acht endlos langen Sitzreihen, die sich langsam mit meinen Mitpassagieren füllen.

Die Frau mir gegenüber trägt Flipflops und ein lockeres T-Shirt. Überhaupt sind hier alle sehrsommerlich gekleidet.Ich dagegen trage einen dicken Pullover und habe meine schwere Lederjacke dabei. Lachen die alle über das deutsche Aprilwetter und sind einfach härteres gewohnt? Oder wissen die schon, was uns in den Chicago erwartet.

Frankfurt Flughafen

Die romantische Strecke

BMW R 1150 GS Adventure links   BMW R 1150 GS Adventure rechts

Pah! Da behaupten böse Stimmen tatsächlich, eine Straßenmaschine wäre soweiso viel schöner. Hah! Ich möchte die mal sehen, wenn sie versuchen über Waldwege zu fahren.

Nun ja…

Ich gebe zu: auf dem Weg zur Burgruine Wolfstein in der Oberpfalz wollte die Navigationssoftware mich eigentlich über eine Landstaße lotsen – und nicht über diese auf der Karte gestrichelte Abkürzung. Daß damit ein Waldweg gemeint war, konnte ich ja nicht ahnen. Und die wenigen Wanderer haben auch nur milde irritiert geschaut.

Die Ruine habe ich schon ein paar mal von der Autobahn gesehen. Aber aus der Nähe betrachtet ist sie ine echte Entäuschung. Überall Bauzäune, Bauwagen und Absperrband. Aber dafür habe ich ein paar sehr schöne Seitenstraßen und eine prima Pizzaria in Burgthann entdeckt.

Burgruine Wolfstein

I am my own Cylon

Ausnahmen müssen auch mal sein – und deshalb lasse ich heute ohne eine lange Geschichte folgenden Link fallen:

http://www.wewerecenturions.com/

Und das auch nur deshalb, weil ich gestern die auf Spielfilmlänge aufgeblähte “Kampfstern Galactica“-Folge “Razor” gesehen und für verflixt gut befunden habe.

Hmmm… hat denn niemand die Staffeln auf DVD?

Kein Motorradwetter

Das Motorrad bleibt heute unter seiner Faltgarage. Der Wetterochs, ein Hobby-Meterologe, der auf seiner Webseite recht zuverlässig das Wetter für den Großraum Nürnberg prognostiziert, hat vor Schnee und Minusgraden gewarnt. Jetzt sah es heute morgen in Fürth nicht so sehr nach Weltuntergang aus, wie bei Kollege Alex in Marburg. Aber richtig einladend war dieser trübe Himmel auch nicht. Und mittlerweile fallen tatsächlich ein paar vereinzelnte Flöckchen. Der Wetterochs meint, gegen Mitte der Woche wird es wärmer – aber dafür soll es regnen.

Also bleibt “Victor” daheim – und damit bleibe ich meiner Marotte treu, meine Fahrzeuge nach Figuren aus Filmen von Luc Besson zu benennen. Mein alter Volvo hieß “Mathilda“, meine aktuelle A-Klasse “Josephine” und das Motorrad (ist eindeutig ein er) “Victor“. Stella dachte ja zuerst an eine Figur aus dem Film “Underworld” – aber das muß ich entschieden verneinen (wobei der Viktor auch kein schlechter Namens-Pate gewesen wäre).

Nörgelnde alte Säcke

Deutsche nörgeln gerne (das gehört zumindest zu unserem Selbstbild) – also fange ich mit dem an, was ich gerne mache: Nörgeln. Zwei Dinge mag ich am Nürnberger Burgtheater nicht – das eine sind die viel zu eng stehenden Klappstühle, auf denen man während der gesamten Vorstellung keine bequeme Sitzposition zu finden vermag. Ich muß Simon mal fragen, ob das Kalkül ist, damit niemand während der Vorstellung einschläft (Simon ist mein Nachbar und Gelegenheits-Techniker im Burgtheater).

Die andere Sache ist die Pause, die auch in kurzen Programmen stets eingeschoben wird. Nicht, daß mich der Getränkeverkauf stören würde, mit dem das Burgtheater sich dringend benötigte Devisen in harten Euros verschafft. Was mich nervt ist die olfaktorische Attacke der Blondine neben mir, die es ihrem Mundgeruch nach zu urteilen in den fünfzehn Minuten geschafft hat, eine halbe Schachtel Rothändel wegzuschmöken.

Dafür ist das Programm vom Burgtheater gut und die Preise akzeptabel. Heute abend war Marc-Uwe Kling zu Gast. Sein Programm werte ich als kurzweilige Mischung aus absurden Alltagsgeschichten und bisweilen radikaler Linksutopie. Richtig Laune macht seine Kolumne “Neues vom Känguru”, das übrigens auch im Internet als Podcast zu hören ist (sofern man die extrem nervigen Radio-Teaser zu Beginn jeder Folge ertragen kann).

Marc-Uwe sieht sich selbst als Teil der “Generation Praktikum” – und macht mir, während er (als Twen) über die Mitte-Dreißiger herzieht, schmerzlich bewußt, daß die Generation nach mir nicht mehr pubertierend über die Schulhöfe wandert – sondern auch schon erwachsen ist. Und so langsam bekomme ich Schiß davor, daß die Bezeichnung “alter Sack”, mit der ich so gerne kokettiere, tatsächlich auf mich zutrifft.

Ich sollte mal wieder öfter abends ausgehen.

Schlotter

Damit sie endlich vor der Haustür steht, habe ich mir heute einen Satz wirklich gut gekühlter Knie zugezogen und zwei schwarze Hände.

Als ich heute morgen mit dem ICE in München ankam war der Himmel blau. Der zog sich dann zwar langsam mit Wolken zu, während ich mir noch einmal das Motorrad erklären ließ und auf die letzten Handgriffe warten mußte – aber dann hielt das Wetter doch ganz gut.

Das Navi (ein Garmin zûmo 550) hat mich überzeugt. Über den Helmlautsprecher hat es mir stets rechtzeitig den Weg angesagt und dank der Spezialhalterung hatte ich das Display immer gut im Blick. Die Strecke war wirklich schön über verschlungene Wege durch’s Hinterland.

Das Handling der Maschine war eigentlich gar nicht schwer – Motorradfahren verlernt man eben doch nicht. Und die Angst vor den Kurven nahm auch mit jedem Kilometer ab. Klar – so schnell und routiniert wie früher bin ich noch nicht wieder – aber das wird schon…

Regen gab’s dann aber doch noch – etwa zwanzig Kilometer vor Fürth ging’s los. Nicht viel, aber genug, um das Lederöl durch die Handschuhe auf die Hände durchzudrücken – samt schwarzer Lederfarbe, vertseht sich.

Motorrad im Regen

Jetzt steht mein Mopped also unten auf dem Gehsteig, abgedeckt durch eine eilens beschaffte Faltgarage. Jetzt muß es nur noch ein wenig wärmer werden.

Planungsspiele

Jawohlja – die Wettervorhersage für Morgen sieht gar nicht so schlecht aus. Regenwahrscheinlichkeit nur noch bei 20%. Ich bin Glücklich.

Die vergangenen zwei Stunden habe ich damit zugebracht, eine möglichst abseitige Route von München nach Fürth zusammenzustellen. Keine Autobahnen, keine Bundesstraßen – ja nicht einmal die großen Landstraßen. Stattdessen alles, was gerade noch als befestigter Weg durchgeht.

Vor mehr als sieben Jahren saß ich das letzte mal auf einem Motorrad (vergißt man mal zwei-drei Probefahrten, die kaum mehr als zehn Minuten gedauert haben). Deshalb will ich es lieber ruhig angehen lassen. Wenn ich vor einer Kurve Schiß bekomme und bremse, soll mir nicht gleich eine ganze Autokolonne im Nacken sitzen und wild hupen.

Deshalb möchte ich die “romantische” Strecke fahren. Wenn die Berechnungen stimmen, werde ich vier Stunden für die zweihundert Kilometer brauchen. Der Meinung ist zumindest die Navigationssoftware, mit der ich hier plane. Die ist wirklich klasse – ich klicke mir hier meine Route zusammen und übertrage die dann auf mein Motorrad-Navi. Und das wird mich morgen durch’s bayerische Hinterland führen.


Größere Kartenansicht

Hmmm – die Hose ist imprägniert, meine alten Ledersachen (Jacke, Handschuhe, Stiefel) frisch eingeölt, die Tasche gepackt, mein Zugticket gekauft… puh… ein bisserl mulmig ist mir trotz aller Vorfreude doch.

Auch Leder läuft ein

Eine neue Protektorenhose mußte heute her – nicht, weil ich so scharf darauf gewesen wäre, extra Geld auszugeben. Auch Leder läuft ein. Oder gibt es eine andere Erklärung, warum ich es mir einfach nicht gelingen will, die Lederhose, die ich mir vor fünfzehn Jahren als Achtzehnjähriger zugelegt habe, um meinen Bauch zu schließen?

Regenwahrscheinlichkeit für Samstag liegt bei 70% sagt SPIEGEL Online. Ich glaub’, die Dose Imprägnierspray für die neue Motorrad-Hose war ein guter Kauf.

Marktübersicht

Ich finde ja wirklich enorm, wie groß die Preisunterschiede für KFZ-Kennzeichen sind – die Schilderläden um die Zulassungsstelle hier in Fürth verlangen zB für einen Satz Autokennzeichen um die 25 Euro – einen Kilometer weiter, auf Fürths Gebrauchtwagenmeile, erhält man in einer der kleinen, zugigen Container-Büros den gleichen Satz für einen Zehner.

Leider haben die keine Motorrad-Kennzeichen. Aber selbst da unterscheiden sich die Preise in den Läden um die Zulassungsstelle um immerhin sechs Euro.

Naja – jedenfalls habe ich jetzt das Kennzeichen für das Motorrad. Sogar mit einer sehr hübschen Nummer, die gut zu der meines Autos paßt.

Hmmm – die Wettervorhersage für Samstag prognostiziert eine Regenwahrscheinlichkeit von 50%…