Ein Westfale in Bayern

Das ganz normale Leben südlich vom Weißwurst-Äquator

Schlotter

Damit sie endlich vor der Haustür steht, habe ich mir heute einen Satz wirklich gut gekühlter Knie zugezogen und zwei schwarze Hände.

Als ich heute morgen mit dem ICE in München ankam war der Himmel blau. Der zog sich dann zwar langsam mit Wolken zu, während ich mir noch einmal das Motorrad erklären ließ und auf die letzten Handgriffe warten mußte – aber dann hielt das Wetter doch ganz gut.

Das Navi (ein Garmin zûmo 550) hat mich überzeugt. Über den Helmlautsprecher hat es mir stets rechtzeitig den Weg angesagt und dank der Spezialhalterung hatte ich das Display immer gut im Blick. Die Strecke war wirklich schön über verschlungene Wege durch’s Hinterland.

Das Handling der Maschine war eigentlich gar nicht schwer – Motorradfahren verlernt man eben doch nicht. Und die Angst vor den Kurven nahm auch mit jedem Kilometer ab. Klar – so schnell und routiniert wie früher bin ich noch nicht wieder – aber das wird schon…

Regen gab’s dann aber doch noch – etwa zwanzig Kilometer vor Fürth ging’s los. Nicht viel, aber genug, um das Lederöl durch die Handschuhe auf die Hände durchzudrücken – samt schwarzer Lederfarbe, vertseht sich.

Motorrad im Regen

Jetzt steht mein Mopped also unten auf dem Gehsteig, abgedeckt durch eine eilens beschaffte Faltgarage. Jetzt muß es nur noch ein wenig wärmer werden.

Planungsspiele

Jawohlja – die Wettervorhersage für Morgen sieht gar nicht so schlecht aus. Regenwahrscheinlichkeit nur noch bei 20%. Ich bin Glücklich.

Die vergangenen zwei Stunden habe ich damit zugebracht, eine möglichst abseitige Route von München nach Fürth zusammenzustellen. Keine Autobahnen, keine Bundesstraßen – ja nicht einmal die großen Landstraßen. Stattdessen alles, was gerade noch als befestigter Weg durchgeht.

Vor mehr als sieben Jahren saß ich das letzte mal auf einem Motorrad (vergißt man mal zwei-drei Probefahrten, die kaum mehr als zehn Minuten gedauert haben). Deshalb will ich es lieber ruhig angehen lassen. Wenn ich vor einer Kurve Schiß bekomme und bremse, soll mir nicht gleich eine ganze Autokolonne im Nacken sitzen und wild hupen.

Deshalb möchte ich die “romantische” Strecke fahren. Wenn die Berechnungen stimmen, werde ich vier Stunden für die zweihundert Kilometer brauchen. Der Meinung ist zumindest die Navigationssoftware, mit der ich hier plane. Die ist wirklich klasse – ich klicke mir hier meine Route zusammen und übertrage die dann auf mein Motorrad-Navi. Und das wird mich morgen durch’s bayerische Hinterland führen.


Größere Kartenansicht

Hmmm – die Hose ist imprägniert, meine alten Ledersachen (Jacke, Handschuhe, Stiefel) frisch eingeölt, die Tasche gepackt, mein Zugticket gekauft… puh… ein bisserl mulmig ist mir trotz aller Vorfreude doch.

Auch Leder läuft ein

Eine neue Protektorenhose mußte heute her – nicht, weil ich so scharf darauf gewesen wäre, extra Geld auszugeben. Auch Leder läuft ein. Oder gibt es eine andere Erklärung, warum ich es mir einfach nicht gelingen will, die Lederhose, die ich mir vor fünfzehn Jahren als Achtzehnjähriger zugelegt habe, um meinen Bauch zu schließen?

Regenwahrscheinlichkeit für Samstag liegt bei 70% sagt SPIEGEL Online. Ich glaub’, die Dose Imprägnierspray für die neue Motorrad-Hose war ein guter Kauf.

Marktübersicht

Ich finde ja wirklich enorm, wie groß die Preisunterschiede für KFZ-Kennzeichen sind – die Schilderläden um die Zulassungsstelle hier in Fürth verlangen zB für einen Satz Autokennzeichen um die 25 Euro – einen Kilometer weiter, auf Fürths Gebrauchtwagenmeile, erhält man in einer der kleinen, zugigen Container-Büros den gleichen Satz für einen Zehner.

Leider haben die keine Motorrad-Kennzeichen. Aber selbst da unterscheiden sich die Preise in den Läden um die Zulassungsstelle um immerhin sechs Euro.

Naja – jedenfalls habe ich jetzt das Kennzeichen für das Motorrad. Sogar mit einer sehr hübschen Nummer, die gut zu der meines Autos paßt.

Hmmm – die Wettervorhersage für Samstag prognostiziert eine Regenwahrscheinlichkeit von 50%…

Es wird Frühling

In meinen Händen halte ich den Fahrzeugbrief für eine BMW R 1150 GS Adventure – als ich heute beim Händler war, um ihm ein paar spezielle Anbauteile zu bringen, war ich dann doch überrascht, daß er die Maschine nicht nur schon ausgewintert hatte, sondern auch schon den April-TÜV-Abnahme hatte machen lassen. Also konnte ich alle Unterlagen gleich mitnehmen.

Morgen früh geht’s zur Zulassungsstelle hier in Fürth. Und dann muß nur noch das Wetter so schön halten…

Führungsfähigkeiten erfahren und entwickeln

Energizer-ÜbungNach vier Tagen Seminar raucht mir der Kopf und ich muß all das, was mir die Trainer in den vergangenen Tagen beigebracht haben, erst einmal sacken lassen – und mir dann ein paar Ideen einfallen lassen, wie ich das künftig in der Praxis umsetze.

Klar – einige Themen kannte ich schon aus anderen Fortbildungen, wie Gruppenentwicklung und Feedback geben und es war gut, sie in diesem Rahmen noch einmal aufzufrischen. Aber obwohl ich gedacht hatte, ich wüßte schon einiges über das fachliche Führen (einfach aus meiner Berufspraxis) war dann doch viel viel Neues für mich dabei.

“Führungsfähigkeiten erfahren und entwickeln” ist der Schnupperkurs für Kollegen mit Führungspotential – entsprechend durchmischt ist unsere Gruppe von 16 Teilnehmern im Alter von 27 bis 39 Jahren. Erstaunlich fand ich, daß nur drei Frauen mit dabei waren – unser Coach meinte, daran würde man eben doch merken, daß unsere Firma ein Ingineur-Betrieb ist. Da sei die Frauen-Quote eben nicht besonders groß.

Vier wirklich gute Tage. Den Ordner mit dem Lehrstoff werde ich in den nächsten Tagen öfter mal zur Hand nehmen.

Gruppenarbeit

In sternenklarer Nacht

Winterlandschaft wie im Bilderbuch Das Problem an den Seminaren ist, daß man meist wenig mehr als das Tagungshotel zu Gesicht bekommt. Den ganzen Tag ist man im Seminar – und abends sitzt man mit den Kollegen zusammen. Aber zumindest ein bißchen wollte ich von der Umgebung mitbekommen. Also habe ich mich heute früh um 5:30Uhr auf den Weg gemacht.

Der Himmel war noch pechschwarz, aber hing voller Sterne, der Weg in die Berge dick mit Schnee bedeckt. Die Tachenlampe blieb meist aus, denn ich wollte die Landschaft in dem dunkelblauen Licht erleben. Und als es dann ganz leise um mich war, nur das Knirschen von dem Schnee unter meinen Schuhen zu hören war – da wurde mir zum ersten Mal in diesem Dezember richtig weihnachtlich.

Nach einer langen Schleife über einen Berg wollte ich auf dem Rückweg zum Auto dann doch noch im ersten Morgenlicht einen Cache heben. Aber da hatte ich Pech. Obwohl sich der Himmel langsam von schwarz über dunkelblau nach orange aufhellte, wollte der vereiste Schnee den Cache-Behälter nicht preisgeben. Der Tipp des Besitzers “unter einem Baum” war im Wald nicht wirklich hilfreich.

Aber das macht nichts. Denn das eigentliche Erlebnis war für mich die Nachtwanderung durch den tief verschneiten Bergwald.

Bääääh

Beim Spülen heute morgen entdecke ich, warum es im Bad meines Hotelzimmers so blümerant duftet. Die Toilettenspülung drückt das Wasser durch den Abfluß in die Duschwanne.

Das Personal im 4 Sterne Hotel ist bemüht und quartiert mich um – in das Zimmer direkt unter meinem ersten. Und da ist der Gestank im Bad nicht anders. Nach einer weiteren Intervention muß ich noch einmal umziehen und lande diesesmal nicht mehr in einem Zimmer auf der Südseite mit Alpenblick, sondern auf der Nordseite ohne Balkon.

Naja… ich bin ja eh kaum im Zimmer… Und immerhin hat hier das Bad ein Fenster. Obwohl es das nicht braucht, denn in diesem Trakt scheint das mit dem Abwasser zu funktionieren.

Im Frühtau zu Berge…

Zur blauen Stunde am Geocache Jonathan Seit gestern Abend bin ich in Grassau, im südöstlichsten Zipfel von Bayern, gar nicht weit von Salzburg. Hier liegt eine dichte Schneedecke und das Thermometer zeigt nachts minus neun Grad an. Hat sich halt doch gelohnt vor dem Wochenende noch die Winterreifen aufziehen zu lassen.

Aber ich will hier nicht nur das Tagungshotel sehen. Und deshalb lasse ich mich um sechs wecken und stehe eine Stunde später auf der Grassauer Alm – natürlich ein lächerlicher Aufstieg von ein paar Dutzend Höhenmetern, aber es reicht um mich Flachländer aus der Puste zu bringen. Und trotz der Schneedecke entdecke ich im Schein meiner Taschenlampe den Geocache “Möwe Jonathan“.

Und die blaue Stunde nutze ich gleich noch für ein paar weitere Photos von den Bergen und der vereisten Landschaft. Irgendwie sind die Alpen ja doch schön.

Eine gute Investition

Als ich mein Studium begann, mußte ich mehrmals in der Woche zwischen Lübeck und Eilshausen hin- und herpendeln. Seit dieser Zeit mag ich es, lange Strecken in den frühen Morgenstunden zu fahren.

Deshalb stehe ich nach einem Krefeld-Wochenende um Vier auf und fahre dann in den Sonnenaufgang zur Arbeit nach Erlangen. Das dauert vier bis viereinhalb Stunden – normalerweise. Aber um kurz vor Sechs ist erst einmal Schluß. Auf der A3 an der Ausfahrt Bad Camberg hat’s gekracht, und zwar richtig. Drei LKW-Längen vor mir wird die Autobahn über alle drei Spuren Richtung Frankfurt gesperrt.

Nach und nach gehen die Lichter an den umliegenden Autos aus Die Feuerwehr donnert vorbei

Was dann passiert kenne ich noch aus meiner eigenen Rettungsdienstzeit: Erst kommen die Rettungswagen, dann die Notärzte und die Polizei. Dann dauert es einige Minuten – und schließlich rückt die Feuerwehr an. Nach einer weiteren dreiviertel Stunde schlängeln sich schließlich die Abschlepper durch den Stau.

Und ich? Freue mich über die Standheizung, die ich habe im Oktober einbauen lassen. Es dauert insgesamt 1,5h, bis wenigstens eine Spur wieder freigegeben wird. Und die vertreibe ich mir mit einem Hörbuch, während ich den Fahrern in den umliegenden Autos zuschaue, wie sie entweder immer wieder ihre Motoren anlassen, um die Heizung auf Trab zu bringen, oder ihre Jacken überziehen.

Wenn ich nur 5 Minuten schneller gewesen wäre… würde ich vielleicht in dem RTW liegen